Mobile First Indexing: Quelltext mit den technischen Angaben, die Suchmaschinen auswerten

Was Mobile First Indexing bedeutet

Früher crawlte und bewertete Google Websites mit einem Desktop-Crawler. Die mobile Version wurde zusätzlich berücksichtigt, maßgeblich war aber die Desktop-Ansicht. Mit dem Mobile First Indexing hat Google das umgedreht: Heute crawlt der Googlebot Smartphone den Großteil aller Seiten, und die mobile Version ist die Grundlage für Indexierung und Ranking – auch für Suchanfragen, die am Desktop gestellt werden.

Die Entwicklung

Jahr Schritt
2015 Mobile Friendly Update: Mobilfreundlichkeit wird Rankingfaktor für mobile Suchen
2016 Google kündigt Mobile First Indexing an
2018 Beginn der schrittweisen Umstellung einzelner Websites
2019 Mobile First Indexing wird Standard für neue Websites
2020–2023 Umstellung der verbleibenden Websites, mehrfach verschoben
2023 Google erklärt die Umstellung für nahezu abgeschlossen; der Desktop-Googlebot wird nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt
2024 Websites, die mobil nicht erreichbar sind, werden nicht mehr indexiert

Die drei Arten mobiler Websites

Umsetzung Beschreibung Eignung für Mobile First
Responsive Design eine URL, ein HTML, das Layout passt sich per CSS an ideal, von Google empfohlen
Dynamisches Ausliefern eine URL, der Server liefert je nach Gerät unterschiedliches HTML möglich, aber fehleranfällig
Separate mobile URLs eigene Adressen, etwa m.beispiel.de möglich, aber aufwendig und fehleranfällig

Die allermeisten modernen Websites nutzen Responsive Design. Dabei ist das Risiko am geringsten, weil Mobil- und Desktop-Version denselben Inhalt haben. Probleme entstehen eher bei älteren Systemen mit separaten mobilen Versionen oder dynamischer Auslieferung.

Wo Rankings verloren gehen

Weniger Inhalt auf Mobilgeräten

Manche Websites blenden auf Mobilgeräten Texte, Abschnitte oder ganze Bereiche aus, um die Seite übersichtlicher zu machen. Was nicht im mobilen HTML steht, kann Google nicht bewerten.

Wichtig ist die Unterscheidung: Inhalte, die auf Mobilgeräten in Akkordeons, Tabs oder aufklappbaren Bereichen stehen, sind in Ordnung. Sie sind im HTML vorhanden und werden von Google voll berücksichtigt. Problematisch sind Inhalte, die auf Mobilgeräten gar nicht erst ausgeliefert werden.

Fehlende Links

Wenn die mobile Navigation weniger Menüpunkte enthält oder bestimmte Links nur am Desktop vorhanden sind, verändert sich die interne Verlinkung aus Sicht von Google. Seiten, die mobil nicht verlinkt sind, verlieren an Gewicht.

Abweichende Metadaten

Title, Meta Description, Robots-Anweisungen und Canonical-Tags müssen auf beiden Versionen übereinstimmen. Ein noindex nur in der mobilen Version macht die Seite unsichtbar.

Fehlende strukturierte Daten

Strukturierte Daten, die nur in der Desktop-Version ausgegeben werden, gehen verloren – und damit mögliche Rich Results.

Bilder und Videos

Bilder in niedriger Qualität, fehlende Alt-Attribute oder Videos, die mobil nicht eingebunden sind, schwächen die Seite in der Bilder- und Videosuche.

Blockierte Ressourcen

Wenn CSS oder JavaScript für die mobile Version per robots.txt gesperrt sind, kann Google die Seite nicht richtig darstellen.

Mobile Nutzbarkeit

Neben dem Inhalt zählt die Nutzbarkeit auf dem Smartphone. Den früheren Bericht zur Mobilfreundlichkeit und den zugehörigen Test hat Google Ende 2023 eingestellt. Die Kriterien gelten aber weiter und lassen sich mit Lighthouse und den Entwicklertools prüfen:

Kriterium Anforderung
Viewport <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1">
Schriftgröße Text ohne Zoomen lesbar, mindestens 16 Pixel für Fließtext empfohlen
Klickbare Elemente ausreichend groß (etwa 48 × 48 Pixel) und mit Abstand zueinander
Kein horizontales Scrollen Inhalte passen in die Bildschirmbreite
Keine störenden Einblendungen keine großflächigen Pop-ups, die den Inhalt verdecken
Ladezeit Core Web Vitals auch mobil im grünen Bereich

Aufdringliche Interstitials, also Einblendungen, die den Hauptinhalt auf Mobilgeräten verdecken, sieht Google seit 2017 ausdrücklich negativ. Ausgenommen sind rechtlich notwendige Hinweise wie Cookie-Banner oder Altersabfragen, solange sie angemessen gestaltet sind.

So prüfen Sie Ihre mobile Version

  1. URL-Prüfung in der Search Console: zeigt, welcher Crawler die Seite zuletzt abgerufen hat, und liefert das gerenderte HTML aus Sicht des Smartphone-Googlebots.
  2. Vergleich von Mobil und Desktop: In den Entwicklertools des Browsers die Geräteansicht aktivieren und prüfen, ob alle Inhalte, Links, Überschriften und strukturierten Daten vorhanden sind.
  3. Crawler mit mobilem User-Agent: Ein Crawl als Smartphone-Googlebot und ein Crawl als Desktop zeigen Unterschiede in Inhalt, Links und Metadaten.
  4. Lighthouse im Mobilmodus: prüft Nutzbarkeit und Ladezeit.
  5. Echtes Smartphone: Nichts ersetzt den Test auf einem echten Gerät, idealerweise einem durchschnittlichen, nicht dem neuesten Modell.

Checkliste

Mobile First bestanden?
  • Responsive Design mit korrektem Viewport
  • Mobil derselbe Inhalt wie am Desktop (Akkordeons und Tabs sind in Ordnung)
  • Dieselben internen Links in Navigation und Inhalt
  • Identische Title, Descriptions, Canonicals und Robots-Anweisungen
  • Strukturierte Daten auch in der mobilen Version
  • Bilder mit Alt-Attributen und in guter Qualität
  • CSS und JavaScript nicht blockiert
  • Gut lesbare Schrift, ausreichend große Schaltflächen
  • Keine störenden Pop-ups
  • Core Web Vitals mobil im grünen Bereich

Mobile First ist mehr als Technik

Über die Hälfte aller Suchanfragen stammt heute von Mobilgeräten, bei lokalen Suchen oft ein noch deutlich größerer Anteil. Mobile Nutzer haben oft andere Bedürfnisse: Sie wollen schnell anrufen, eine Route starten, Öffnungszeiten sehen oder eine kurze Antwort lesen. Eine Website, die für diese Situationen gestaltet ist – mit klickbarer Telefonnummer, gut erreichbarem Kontakt und den wichtigsten Informationen oben –, profitiert doppelt: in den Rankings und bei der Umwandlung von Besuchern in Kunden.

Häufige Fragen

Gibt es noch einen Desktop-Index?

Nein. Es gibt einen einzigen Index, der auf Grundlage der mobilen Version erstellt wird. Die Suchergebnisse am Desktop werden aus demselben Index bedient.

Sind Inhalte in Akkordeons auf Mobilgeräten weniger wert?

Google hat erklärt, dass Inhalte, die aus Platzgründen auf Mobilgeräten eingeklappt sind, voll berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass sie im HTML vorhanden sind.

Was passiert mit Websites ohne mobile Version?

Websites, die auf Mobilgeräten nicht zugänglich sind, werden seit 2024 nicht mehr indexiert. Websites, die zwar erreichbar, aber nicht mobil optimiert sind, werden indexiert, schneiden aber bei Nutzbarkeit und Ladezeit schlechter ab.

Mehmet Oruc

Inhaber von SEOKönig · Ihr Personal SEO · Suchmaschinenoptimierung seit 30 Jahren

Informatikstudium, eigene Webkataloge und Suchmaschinen programmiert und verkauft, später Branchenportale, Onlineshops und rund 1.000 Webinstallationen für Kunden umgesetzt. Seit zwei Jahren arbeitet er intensiv mit KI-Systemen. Sein Schwerpunkt: komplexe Websites, die in vielen Städten und Themenfeldern gleichzeitig ranken müssen. Jeder Ratgeber entsteht aus dieser Projektpraxis und wird überarbeitet, sobald sich die Suchsysteme ändern.

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