Generative Engine Optimization: KI-Assistent, der eine Frage beantwortet und die eigene Website als Quelle nennt

Der Begriff

Der Begriff Generative Engine Optimization wurde durch eine Forschungsarbeit von Wissenschaftlern mehrerer Universitäten bekannt, die 2023 veröffentlicht wurde. Sie untersuchte, wie sich die Sichtbarkeit von Inhalten in Antworten generativer Suchsysteme beeinflussen lässt. Seitdem hat sich GEO als Sammelbegriff etabliert. Daneben kursieren weitere Bezeichnungen wie LLMO für Large Language Model Optimization, AEO für Answer Engine Optimization oder AI SEO. Sie meinen im Kern dasselbe, mit leicht unterschiedlichen Schwerpunkten. Mehr dazu in den Beiträgen zu LLMO und Answer Engine Optimization.

Wie KI-Systeme Antworten erzeugen

Um GEO zu verstehen, hilft ein Blick auf die Funktionsweise. Vereinfacht gibt es zwei Quellen für das Wissen eines KI-Systems:

Trainingswissen

Große Sprachmodelle werden mit riesigen Textmengen trainiert. Was sie über Unternehmen, Produkte und Themen wissen, stammt aus diesen Daten. Das Wissen hat einen Stichtag und ist nicht aktuell. Es ist außerdem nicht nachvollziehbar, welche Quelle zu welcher Aussage geführt hat.

Abruf in Echtzeit

Viele Systeme suchen bei einer Frage zusätzlich im Web, lesen passende Seiten und formulieren daraus eine Antwort. Dieses Verfahren heißt Retrieval-Augmented Generation. Dabei werden oft Quellen angegeben. Die Suche erfolgt über eigene Indizes oder über bestehende Suchmaschinen, etwa Bing oder Google.

System Aktuelle Websuche Quellenangaben
Google AI Overviews und AI Mode ja, Google-Index ja, als Links
ChatGPT mit Suche ja, eigene und fremde Indizes ja
Perplexity ja, eigener Index und Partner ja, sehr ausgeprägt
Gemini ja, Google teilweise
Microsoft Copilot ja, Bing ja
Claude mit Websuche ja ja

Die Details ändern sich laufend, weil die Anbieter ihre Produkte schnell weiterentwickeln.

Was die Nennung beeinflusst

Niemand kennt die genauen Auswahlkriterien. Aus Forschung, Aussagen der Anbieter und eigenen Beobachtungen lassen sich aber Muster ableiten:

Sichtbarkeit im zugrunde liegenden Index

Wenn ein System für die Antwort eine Websuche nutzt, kann es nur Seiten finden, die in diesem Index gut ranken. Google hat für AI Overviews ausdrücklich erklärt, dass dieselben Grundlagen gelten wie für die normale Suche. Klassisches SEO bleibt also die Basis.

Klare, zitierbare Aussagen

KI-Systeme übernehmen gerne Passagen, die eine Frage direkt und präzise beantworten. Eine Definition in einem Satz, eine Tabelle mit Werten, eine nummerierte Anleitung. Lange Einleitungen ohne klare Aussage werden seltener zitiert.

Fakten, Zahlen und Quellen

Die erwähnte Forschungsarbeit fand, dass das Ergänzen von Statistiken, Zitaten und Quellenangaben die Sichtbarkeit in generativen Antworten deutlich erhöhen konnte. Inhalte mit überprüfbaren Aussagen wirken für solche Systeme vertrauenswürdiger.

Erwähnungen im Web

Für Empfehlungen, etwa „Welche Anbieter gibt es für …?", spielt eine Rolle, wie oft und in welchem Zusammenhang eine Marke in anderen Quellen genannt wird: in Vergleichen, Fachartikeln, Foren, Bewertungsportalen. Mehr dazu im Beitrag zu Brand Mentions.

Eindeutige Entität

Wenn Suchmaschinen und KI-Systeme ein Unternehmen klar als Entität kennen, mit Name, Standort, Leistungen und Beziehungen, fällt die Zuordnung leichter. Strukturierte Daten, ein vollständiges Unternehmensprofil und konsistente Angaben helfen. Siehe Knowledge Graph.

Technische Erreichbarkeit

KI-Crawler müssen die Seite abrufen dürfen und können. Viele von ihnen führen kein JavaScript aus. Inhalte, die erst im Browser entstehen, sehen sie nicht. Mehr im Beitrag zu KI-Crawlern.

Was sich von klassischem SEO unterscheidet

Aspekt Klassisches SEO GEO
Ziel Platzierung in einer Ergebnisliste Nennung oder Zitat in einer Antwort
Einheit Seite Passage, Aussage, Marke
Erfolg Klicks Nennung, Zitat, teilweise Klicks
Messung Rankings, Search Console Stichproben, spezialisierte Werkzeuge, Verweise in Analytics
Wichtige Signale Relevanz, Links, Nutzersignale zusätzlich Zitierbarkeit, Erwähnungen, Entitätsklarheit
Stabilität relativ stabil Antworten variieren von Anfrage zu Anfrage

Die Grundlagen überschneiden sich stark. Eine technisch saubere, inhaltlich starke, vertrauenswürdige Website ist für beides die Voraussetzung.

Ein Vorgehen in sechs Schritten

  1. Bestandsaufnahme: Wie antworten die wichtigsten KI-Systeme heute auf die zentralen Fragen der Zielgruppe? Wird das Unternehmen genannt? Welche Wettbewerber und Quellen erscheinen?
  2. Klassisches SEO prüfen: Technik, Indexierung, Inhalte, Rankings. Ohne diese Basis bringt GEO wenig.
  3. Inhalte zitierbar machen: klare Antworten zu Beginn von Abschnitten, Definitionen, Tabellen, Zahlen mit Quellen, eindeutige Überschriften.
  4. Entität stärken: strukturierte Daten, konsistente Angaben, Über-uns-Seite, Autorenseiten, Unternehmensprofil.
  5. Erwähnungen aufbauen: Fachartikel, Pressearbeit, Vergleichsportale, Branchenverzeichnisse, Bewertungen.
  6. Beobachten und anpassen: regelmäßige Stichproben, Auswertung von Verweisen aus KI-Systemen in der Webanalyse.

Für einen Hersteller von Industrietoren habe ich untersucht, wie ChatGPT, Perplexity und Google auf Fragen wie „Welche Rolltore eignen sich für Kühlhäuser?" antworten. Genannt wurden vor allem zwei Wettbewerber und ein Fachportal. Der Hersteller hatte zwar eine passende Produktseite, aber keine klare Erklärung der Anforderungen an Tore für Kühlhäuser. Nach einer neuen Seite mit Tabelle zu Dämmwerten, Temperaturbereichen und Normen und einem Fachartikel in einem Branchenmagazin erschien der Hersteller nach einigen Monaten in einem Teil der Antworten als Quelle.

Was GEO nicht ist

  • Kein Trick, um KI-Systeme zu manipulieren. Versteckte Anweisungen in Texten, die KI-Systeme beeinflussen sollen, sind unseriös und werden von den Anbietern zunehmend erkannt und abgewertet.
  • Kein Ersatz für SEO. Die meisten Systeme stützen sich auf Suchindizes.
  • Nicht vollständig messbar. Antworten sind personalisiert, variabel und nicht öffentlich protokolliert.
  • Kein Garant für Besucher. Viele Nutzer lesen die Antwort und klicken nicht weiter.

Häufige Fragen

Brauche ich eine eigene GEO-Strategie?

Für die meisten Unternehmen reicht es, die bestehende SEO-Strategie um einige Punkte zu ergänzen: zitierbare Inhalte, Stärkung der Marke als Entität, Aufbau von Erwähnungen und Beobachtung der KI-Antworten.

Wie schnell wirkt GEO?

Bei Systemen mit Echtzeitsuche können Änderungen innerhalb von Wochen sichtbar werden, sobald die Seiten neu gecrawlt und indexiert sind. Das Trainingswissen der Modelle ändert sich dagegen nur mit neuen Modellversionen.

Sollte ich KI-Crawler aussperren?

Das hängt vom Geschäftsmodell ab. Wer in KI-Antworten genannt werden will, sollte zumindest die Crawler zulassen, die für die Suche und Antworten in Echtzeit zuständig sind. Die Unterschiede zwischen den Crawlern erklärt der Beitrag zu KI-Crawlern.

Mehmet Oruc

Inhaber von SEOKönig · Ihr Personal SEO · Suchmaschinenoptimierung seit 30 Jahren

Informatikstudium, eigene Webkataloge und Suchmaschinen programmiert und verkauft, später Branchenportale, Onlineshops und rund 1.000 Webinstallationen für Kunden umgesetzt. Seit zwei Jahren arbeitet er intensiv mit KI-Systemen. Sein Schwerpunkt: komplexe Websites, die in vielen Städten und Themenfeldern gleichzeitig ranken müssen. Jeder Ratgeber entsteht aus dieser Projektpraxis und wird überarbeitet, sobald sich die Suchsysteme ändern.

Mehr über SEOKönig