
Die drei Kennzahlen
| Kennzahl | Misst | Gut | Verbesserungswürdig | Schlecht |
|---|---|---|---|---|
| Largest Contentful Paint (LCP) | Ladezeit des größten sichtbaren Elements | bis 2,5 s | 2,5–4,0 s | über 4,0 s |
| Interaction to Next Paint (INP) | Reaktionszeit auf Klicks, Tippen und Tastatureingaben | bis 200 ms | 200–500 ms | über 500 ms |
| Cumulative Layout Shift (CLS) | Ausmaß unerwarteter Verschiebungen im Layout | bis 0,1 | 0,1–0,25 | über 0,25 |
Eine Seite erfüllt die Core Web Vitals, wenn bei allen drei Kennzahlen mindestens 75 Prozent der Seitenaufrufe im grünen Bereich liegen. Google betrachtet dabei den 75. Perzentilwert, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop.
INP hat im März 2024 den früheren Messwert First Input Delay (FID) ersetzt. FID maß nur die Verzögerung der ersten Interaktion, INP betrachtet alle Interaktionen während des Besuchs und ist deshalb deutlich aussagekräftiger – und für viele Websites strenger.
Felddaten und Labordaten
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Datenquelle. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Messwerten:
| Felddaten | Labordaten | |
|---|---|---|
| Quelle | echte Nutzer mit Chrome (Chrome User Experience Report, CrUX) | simulierte Messung unter festen Bedingungen |
| Zeitraum | rollierende 28 Tage | Momentaufnahme |
| Werkzeuge | Search Console, PageSpeed Insights (oberer Bereich), CrUX-Dashboard | Lighthouse, PageSpeed Insights (unterer Bereich), Chrome DevTools |
| Für Rankings relevant | ja | nein |
| Für Diagnose geeignet | eingeschränkt | ja |
| INP messbar | ja | nein, im Labor dient Total Blocking Time als Näherung |
Für die Bewertung durch Google zählen ausschließlich die Felddaten. Der Performance-Score von Lighthouse – die bekannte Zahl von 0 bis 100 – ist dagegen ein Diagnosewerkzeug. Eine Seite kann einen Score von 60 haben und trotzdem alle Core Web Vitals bestehen, oder umgekehrt.
Websites mit wenigen Besuchern haben oft keine eigenen Felddaten auf Seitenebene. Google greift dann auf Daten ähnlicher Seiten oder der gesamten Domain zurück. Gibt es gar keine Daten, fließen die Core Web Vitals nicht in die Bewertung ein.
Welchen Einfluss haben sie auf das Ranking?
Die Core Web Vitals sind Teil der Signale für die Seitenerfahrung. Google hat stets betont, dass relevante, hilfreiche Inhalte Vorrang haben. In der Praxis beobachte ich:
- Eine langsame Seite mit hervorragendem Inhalt schlägt meist eine schnelle Seite mit schwachem Inhalt.
- Bei inhaltlich vergleichbaren Seiten kann die Seitenerfahrung den Ausschlag geben.
- Der Unterschied zwischen „gut“ und „sehr gut“ bringt kaum Rankingvorteile. Der Schritt aus dem roten in den grünen Bereich dagegen schon eher.
Wichtiger als der Rankingeffekt ist oft der geschäftliche Effekt. Schnellere Seiten haben niedrigere Absprungraten und höhere Conversion-Raten. Zahlreiche Fallstudien großer Händler und Verlage belegen diesen Zusammenhang.
Die Kennzahlen im Einzelnen
Largest Contentful Paint
LCP misst, wann das größte Bild oder der größte Textblock im sichtbaren Bereich vollständig geladen ist. Häufige Ursachen für schlechte Werte sind langsame Serverantworten, große Bilder, blockierende Skripte und Schriften sowie Lazy Loading des Hauptbilds. Ausführlich im Beitrag Largest Contentful Paint.
Interaction to Next Paint
INP misst, wie lange es dauert, bis die Seite nach einer Interaktion sichtbar reagiert. Schlechte Werte entstehen vor allem durch aufwendiges JavaScript, das den Hauptthread blockiert – Page Builder, Tracking-Skripte, Chat-Widgets, große Frameworks. Ausführlich im Beitrag Interaction to Next Paint.
Cumulative Layout Shift
CLS misst, wie stark sich sichtbare Elemente unerwartet verschieben. Typische Ursachen sind Bilder ohne Abmessungen, nachträglich eingeblendete Banner und Werbeflächen, Webfonts, die beim Laden die Textgröße ändern, und Inhalte, die per JavaScript oben eingefügt werden. Ausführlich im Beitrag Cumulative Layout Shift.
Messen und überwachen
- Search Console, Bericht „Core Web Vitals“: zeigt Gruppen ähnlicher URLs, die gut, verbesserungswürdig oder schlecht abschneiden, getrennt nach Mobil und Desktop.
- PageSpeed Insights: zeigt für eine einzelne URL die Felddaten (oben) und eine Lighthouse-Analyse (unten) mit konkreten Hinweisen.
- Chrome DevTools: Der Bereich „Performance“ zeigt detailliert, was beim Laden und bei Interaktionen passiert.
- Web-Vitals-Bibliothek: Eine kleine JavaScript-Bibliothek von Google misst die Werte bei echten Besuchern auf Ihrer eigenen Website und sendet sie an Ihr Analysewerkzeug – nützlich für Seiten ohne eigene CrUX-Daten und für die Ursachenforschung.
Ein pragmatisches Vorgehen
Nicht jede Optimierung lohnt den Aufwand. Ich gehe meist in dieser Reihenfolge vor:
- Status ermitteln: Welche Seitentypen fallen in der Search Console durch, und bei welcher Kennzahl?
- Vorlagen statt Einzelseiten: Probleme betreffen meist eine Vorlage, etwa alle Produktseiten. Eine Korrektur in der Vorlage wirkt auf Hunderte Seiten.
- Die großen Hebel zuerst: Serverantwortzeit, Hauptbild, blockierende Skripte, Drittanbieter-Skripte.
- Messen, ändern, messen: Nach der Umsetzung dauert es bis zu 28 Tage, bis die Felddaten die Verbesserung vollständig zeigen.
- Aufhören, wenn es grün ist: Weitere Optimierung bringt selten zusätzliche Rankings.
Typische Hebel nach Kennzahl
| Maßnahme | LCP | INP | CLS |
|---|---|---|---|
| Serverseitiges Caching, schnelleres Hosting | ✓ | ||
| CDN für statische Dateien | ✓ | ||
| Hauptbild optimieren und vorladen | ✓ | ||
| Bilder in WebP/AVIF und passenden Größen | ✓ | ||
| Kritisches CSS inline, Rest nachladen | ✓ | ||
Schriften lokal, font-display: swap, passende Fallback-Metriken |
✓ | ✓ | |
| Drittanbieter-Skripte reduzieren oder verzögern | ✓ | ✓ | |
| Lange JavaScript-Aufgaben aufteilen | ✓ | ||
| Page Builder und überflüssige Plugins entfernen | ✓ | ✓ | |
width/height für Bilder und Videos |
✓ | ||
| Platz für Werbung und Einbettungen reservieren | ✓ | ||
| Banner ohne Verschiebung einblenden | ✓ |
Ein Onlineshop für Heimtextilien bestand bei Mobilgeräten keine der drei Kennzahlen. Die Analyse ergab: ein Slider mit fünf großen Bildern im sichtbaren Bereich, zwölf Tracking- und Marketing-Skripte, drei Schriftfamilien von einem externen Anbieter und ein nachträglich eingeblendeter Hinweis auf Versandkosten. Nach dem Ersatz des Sliders durch ein einzelnes optimiertes Bild, der Reduktion auf vier Skripte mit verzögertem Laden, lokal gehosteten Schriften und einem fest reservierten Platz für den Hinweis lagen nach vier Wochen alle Werte im grünen Bereich. Die mobile Conversion-Rate stieg im folgenden Quartal spürbar.
Häufige Fragen
Brauche ich einen PageSpeed-Score von 100?
Nein. Der Score ist ein Diagnosewert aus dem Labor. Für Google zählen die Felddaten der Core Web Vitals. Wer dort im grünen Bereich liegt, hat das Ziel erreicht.
Warum zeigt die Search Console noch schlechte Werte, obwohl ich optimiert habe?
Die Felddaten beruhen auf einem rollierenden Zeitraum von 28 Tagen. Verbesserungen werden erst nach und nach sichtbar. Über die Schaltfläche „Validierung starten“ lässt sich die Überwachung anstoßen.
Gelten die Core Web Vitals auch für Desktop?
Ja, Google bewertet Mobil und Desktop getrennt. Durch das Mobile First Indexing ist die mobile Bewertung für die meisten Websites wichtiger.