
Was der Canonical-Tag ist
Der Canonical-Tag ist ein Hinweis im HTML-Kopfbereich einer Seite, der auf die bevorzugte, kanonische Version dieser Seite verweist:
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/gartenstuehle/">
Steht dieser Tag auf der Seite https://www.beispiel.de/gartenstuehle/?sortierung=preis, sagt er Google: Diese Seite ist eine Variante von /gartenstuehle/. Bitte zeige die Version ohne Parameter in den Suchergebnissen und bündele alle Signale dort.
Google, Bing, Yahoo und andere Suchmaschinen haben das Element 2009 gemeinsam eingeführt, um das Problem doppelter Inhalte zu entschärfen.
Ein Hinweis, kein Befehl
Anders als eine 301-Weiterleitung oder noindex ist der Canonical-Tag für Google ein starker Hinweis, aber keine verbindliche Anweisung. Google berücksichtigt weitere Signale: interne Links, die XML-Sitemap, Weiterleitungen, HTTPS, externe Links und die Ähnlichkeit der Inhalte. Widersprechen sich diese Signale, kann Google eine andere URL als kanonisch wählen.
In der Search Console erscheint das als Status „Duplikat, Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonisch bestimmt“. Das ist ein Hinweis, dass die Signale nicht eindeutig sind.
Wann Sie ihn einsetzen
| Situation | Beispiel | Canonical zeigt auf |
|---|---|---|
| Tracking-Parameter | /angebot?utm_source=newsletter | /angebot |
| Sortier- und Ansichtsparameter | /schuhe?sort=preis&ansicht=liste | /schuhe |
| Filter ohne eigenen Suchwert | /schuhe?farbe=beige&groesse=42 | /schuhe |
| Produkt in mehreren Kategorien | /damen/sneaker/modell-x und /sale/modell-x | /produkte/modell-x |
| Druckversion | /artikel/druck | /artikel |
| Syndizierte Inhalte auf Partnerseiten | Artikel auf Partnerportal | Original auf Ihrer Website |
| Jede normale Seite | /leistungen/dachsanierung | auf sich selbst (selbstreferenzierend) |
Der selbstreferenzierende Canonical
Die meisten SEO-Fachleute empfehlen, auf jeder indexierbaren Seite einen Canonical-Tag zu setzen, der auf die Seite selbst verweist. Das wirkt zunächst überflüssig, hat aber einen Zweck: Wenn die Seite mit Parametern aufgerufen wird, etwa durch einen Tracking-Link, zeigt der Canonical automatisch auf die saubere Version. Die meisten CMS und SEO-Plugins setzen ihn standardmäßig.
Regeln für den korrekten Einsatz
- Absolute URLs verwenden:
https://www.beispiel.de/seite/statt/seite/. Relative Angaben funktionieren zwar, sind aber fehleranfälliger. - Nur ein Canonical pro Seite: Mehrere widersprüchliche Canonicals, etwa durch Theme und Plugin, führen dazu, dass Google alle ignoriert.
- Auf indexierbare Seiten verweisen: Die kanonische URL muss den Statuscode 200 liefern, darf nicht weitergeleitet werden, nicht auf
noindexstehen und nicht per robots.txt blockiert sein. - Im Head platzieren: Ein Canonical im Body wird ignoriert.
- Konsistent bleiben: Interne Links, Sitemap und Canonical sollten auf dieselbe Version zeigen.
- Nur bei echten Duplikaten: Der Canonical ist für gleiche oder sehr ähnliche Inhalte gedacht. Auf völlig unterschiedliche Seiten zu verweisen, ist ein Missbrauch, den Google meist ignoriert.
Häufige Fehler
- Alle Seiten verweisen auf die Startseite: Eine falsche Plugin- oder Theme-Einstellung, die dazu führt, dass Google nur noch die Startseite indexiert
- Paginierte Seiten verweisen auf Seite 1: Die Produkte oder Beiträge auf Seite 2 und folgenden werden dadurch schlechter gefunden
- Canonical auf die HTTP- oder Nicht-www-Version nach einer Umstellung
- Canonical auf weitergeleitete URLs nach einem Relaunch
- Canonical und noindex auf derselben Seite: widersprüchliche Signale
- Canonical zeigt auf eine andere Sprachversion: zerstört die hreflang-Logik
- Canonical per JavaScript geändert: Der Wert im ursprünglichen HTML und im gerenderten HTML unterscheidet sich
Canonical, noindex oder 301?
Die drei Werkzeuge werden oft verwechselt. Sie lösen unterschiedliche Probleme:
| Canonical | noindex | 301-Weiterleitung | |
|---|---|---|---|
| Seite für Nutzer erreichbar? | ja | ja | nein, Nutzer werden umgeleitet |
| Seite im Index? | nein, die kanonische Version | nein | nein, das Ziel |
| Signale werden übertragen? | ja, in der Regel | nein | ja |
| Verbindlichkeit | Hinweis | Anweisung | Anweisung |
| Typischer Einsatz | Varianten derselben Seite, die erreichbar bleiben müssen | Seiten ohne Suchwert, die erreichbar bleiben sollen | Seiten, die nicht mehr existieren oder umgezogen sind |
Eine einfache Entscheidungshilfe:
- Braucht der Nutzer die alte URL noch? Wenn nein: 301.
- Ist die Seite eine Variante einer anderen Seite? Wenn ja: Canonical.
- Ist die Seite eigenständig, hat aber keinen Suchwert? Dann: noindex.
Canonical und Paginierung
Seiten einer paginierten Liste, etwa /blog/seite/2, sollten auf sich selbst verweisen, nicht auf die erste Seite. Jede Seite zeigt andere Inhalte und ist deshalb kein Duplikat. Seit Google die Auszeichnung mit rel="next" und rel="prev" nicht mehr verwendet, ist das die empfohlene Vorgehensweise. Mehr im Beitrag Paginierung.
Canonical über Domains hinweg
Ein Canonical-Tag kann auch auf eine andere Domain verweisen. Das ist sinnvoll, wenn Inhalte auf Partnerseiten veröffentlicht werden oder wenn eine Marke mehrere Domains mit teils gleichen Inhalten betreibt. Die Partnerseite setzt dann einen Canonical auf das Original. Ob der Partner das akzeptiert, ist Verhandlungssache.
Canonical im HTTP-Header
Für Dateien ohne HTML-Kopfbereich, etwa PDFs, lässt sich der Canonical auch im HTTP-Header übermitteln:
Link: <https://www.beispiel.de/whitepaper/>; rel="canonical"
So kann ein PDF auf die HTML-Seite verweisen, auf der sein Inhalt auch als Webseite verfügbar ist.
Prüfen, ob Google Ihren Canonical übernimmt
- URL-Prüfung in der Search Console: zeigt die vom Nutzer angegebene und die von Google gewählte kanonische URL.
- Seitenindexierungsbericht: listet Seiten, bei denen Google eine andere kanonische URL gewählt hat.
- Crawler: zeigt Canonicals aller Seiten, Canonical-Ketten, Verweise auf Fehlerseiten und fehlende Canonicals.
Praxis-Tipp: Wenn Google Ihren Canonical ignoriert, suchen Sie nach widersprüchlichen Signalen. Am häufigsten verweisen interne Links oder die Sitemap auf die Variante statt auf die kanonische URL. Oder die Inhalte der beiden Seiten unterscheiden sich stärker, als es für ein Duplikat typisch ist.
Häufige Fragen
Braucht jede Seite einen Canonical-Tag?
Er ist nicht zwingend, aber empfehlenswert. Ein selbstreferenzierender Canonical auf jeder indexierbaren Seite schützt vor Duplikaten durch Parameter und Varianten.
Wie lange dauert es, bis Google einen neuen Canonical berücksichtigt?
Sobald Google die betroffenen Seiten erneut gecrawlt hat. Das kann wenige Tage bis mehrere Wochen dauern.
Kann ein falscher Canonical Rankings kosten?
Ja, erheblich. Verweisen wichtige Seiten auf eine falsche URL, verschwinden sie aus dem Index. Nach Änderungen am Theme, Plugin oder CMS sollte der Canonical deshalb immer geprüft werden.