
Wie ein CDN funktioniert
Ohne CDN ruft jeder Besucher alle Dateien direkt vom Webserver ab, egal ob er in Koblenz, Hamburg oder Singapur sitzt. Je weiter der Weg, desto länger dauert jede Anfrage.
Mit CDN steht zwischen Besucher und Webserver ein Netz aus Servern an vielen Standorten, sogenannte Edge-Server oder Points of Presence. Der erste Besucher in einer Region lädt eine Datei noch vom Ursprungsserver, das CDN speichert eine Kopie. Alle weiteren Besucher der Region erhalten die Datei direkt vom nahen Edge-Server.
| Ohne CDN | Mit CDN |
|---|---|
| alle Anfragen gehen zum Ursprungsserver | viele Anfragen werden am Edge beantwortet |
| lange Wege für entfernte Besucher | kurze Wege zum nächsten Standort |
| Lastspitzen treffen den Server direkt | das CDN fängt einen Großteil der Last ab |
| Angriffe erreichen den Server | viele CDNs filtern Angriffe vorab |
Die Vorteile für SEO
- Schnellere Ladezeiten: Kürzere Wege verringern die Latenz, besonders für Bilder, Skripte und Stylesheets. Das verbessert den Largest Contentful Paint.
- Stabilität: Bei plötzlichem Andrang, etwa nach einem Medienbericht, bleibt die Website erreichbar.
- Weniger Serverlast: Der Ursprungsserver hat mehr Kapazität für dynamische Anfragen und für Crawler.
- Moderne Technik: Viele CDNs bieten HTTP/3, Brotli-Kompression und automatische Bildoptimierung.
- Schutz: DDoS-Abwehr und Firewalls verhindern Ausfälle durch Angriffe.
Was ein CDN zwischenspeichert
| Inhalt | Caching üblich? | Hinweis |
|---|---|---|
| Bilder, Videos, Schriften | ja | größter Effekt |
| CSS und JavaScript | ja | mit Versionskennung im Dateinamen für sichere Aktualisierung |
| HTML-Seiten | optional | großer Effekt auf TTFB, aber Vorsicht bei personalisierten Inhalten, Warenkörben und Logins |
| API-Antworten | optional | je nach Anwendung |
| Formulare, Warenkorb, Kasse | nein | müssen immer aktuell sein |
Das Zwischenspeichern von HTML am Edge („Full Page Caching“) bringt oft die größte Verbesserung der Serverantwortzeit, erfordert aber eine saubere Konfiguration, damit Nutzer keine veralteten oder fremden Inhalte sehen.
Bekannte Anbieter
| Anbieter | Besonderheit |
|---|---|
| Cloudflare | großes Netz, kostenloser Einstiegstarif, umfangreiche Sicherheitsfunktionen |
| Bunny CDN | günstig, europäisches Unternehmen, einfache Bedienung |
| Fastly | leistungsstark, beliebt bei großen Plattformen |
| Akamai | eines der ältesten und größten Netze, Fokus auf Großkunden |
| Amazon CloudFront | Teil von AWS |
| Google Cloud CDN, Azure Front Door | Teil der jeweiligen Cloud-Plattformen |
| KeyCDN | schlank, nutzungsbasierte Abrechnung |
Viele Hoster und Plattformen wie Shopify haben ein CDN bereits integriert, ohne dass man es gesondert einrichten muss.
Worauf Sie für SEO achten sollten
Crawler nicht blockieren
Die Sicherheitsfunktionen vieler CDNs, etwa Bot-Schutz, Browser-Prüfungen oder CAPTCHA-Seiten, können Suchmaschinen-Crawler versehentlich aussperren. Prüfen Sie, dass verifizierte Crawler wie Googlebot und Bingbot ungehindert zugreifen können. Die URL-Prüfung in der Search Console zeigt, ob Google die Seite normal abrufen kann.
Bilder auf einer eigenen Domain
Wenn Bilder über eine CDN-Domain wie cdn.beispiel.de oder eine Fremddomain ausgeliefert werden, kann Google sie trotzdem der Seite zuordnen, auf der sie eingebunden sind. Idealerweise liegen sie auf einer Subdomain Ihrer eigenen Domain. Die robots.txt der CDN-Domain darf das Crawling der Bilder nicht verbieten.
Richtige Statuscodes
Das CDN muss Statuscodes des Ursprungsservers korrekt weitergeben. Eine 404-Seite darf am Edge nicht zu einer 200 werden, eine Weiterleitung nicht verloren gehen.
Cache-Header und Aktualität
Wenn Inhalte zu lange zwischengespeichert werden, sehen Nutzer und Crawler veraltete Versionen. Das ist besonders bei Preisen, Verfügbarkeiten und Aktualisierungen kritisch. Eine Strategie für das Leeren des Caches bei Änderungen gehört zur Einrichtung.
Canonical und hreflang
Wenn das CDN Seiten unter einer anderen Domain erreichbar macht, müssen Canonical-Tags auf die Hauptdomain verweisen, damit keine Duplikate entstehen.
Standortbasierte Umleitungen
Manche CDNs ermöglichen Weiterleitungen nach Standort des Besuchers. Da der Googlebot meist aus den USA crawlt, können solche Umleitungen dazu führen, dass Google nur eine Sprachversion sieht. Besser sind dezente Hinweise mit Auswahlmöglichkeit.
Lohnt sich ein CDN für kleine Websites?
Für eine lokale Website mit Server in Deutschland und fast ausschließlich deutschen Besuchern ist der Geschwindigkeitsgewinn kleiner als für internationale Projekte. Trotzdem kann ein CDN auch hier sinnvoll sein: für Bilder, für Stabilität und für Sicherheit. Viele Anbieter haben kostenlose oder sehr günstige Einstiegstarife. Ob es sich lohnt, zeigt ein Vergleich der Ladezeiten vor und nach der Einrichtung.
Ein Hersteller von Messtechnik mit Server in Deutschland erhielt ein Drittel seiner Besucher aus Nordamerika und Asien. Dort lag der LCP bei über fünf Sekunden. Nach der Einrichtung eines CDN mit Caching für statische Dateien und HTML sank er für diese Regionen auf rund zwei Sekunden, während sich in Deutschland wenig veränderte. Die Anfragen aus den internationalen Märkten stiegen im Folgejahr deutlich.
Kurz beantwortet
Verbessert ein CDN direkt meine Rankings?
Nicht direkt. Es verbessert Ladezeit und Stabilität, die in die Seitenerfahrung einfließen, und kann das Crawling erleichtern.
Kann ein CDN meiner SEO schaden?
Nur bei falscher Konfiguration, etwa wenn Crawler blockiert, falsche Statuscodes ausgeliefert oder veraltete Inhalte zu lange gespeichert werden.
Brauche ich ein CDN, wenn ich Shopify oder Wix nutze?
Nein, diese Plattformen liefern Inhalte bereits über eigene CDNs aus.