
Die Entstehung
Das Helpful Content Update wurde im August 2022 zunächst für englischsprachige Inhalte eingeführt und im Dezember 2022 auf alle Sprachen ausgeweitet. Weitere Aktualisierungen folgten, darunter eine besonders einschneidende im September 2023. Mit dem Core Update im März 2024 erklärte Google, dass die Bewertung hilfreicher Inhalte nicht mehr als eigenständiges System läuft, sondern in die Kernsysteme integriert ist.
Das bedeutet: Es gibt keine gesonderten „Helpful Content Updates“ mehr. Die Prinzipien fließen seitdem in jedes Core Update ein.
Was Google unter hilfreich versteht
Google unterscheidet zwischen People-first Content – Inhalten, die in erster Linie für Menschen erstellt werden – und Search-engine-first Content, also Inhalten, die vor allem entstehen, um Suchtraffic zu erzielen.
Merkmale von People-first Content
Google stellt dazu unter anderem folgende Fragen:
- Gibt es ein bestehendes oder beabsichtigtes Publikum, das den Inhalt nützlich finden würde, wenn es direkt zu Ihnen käme?
- Zeigt der Inhalt Erfahrung aus erster Hand, etwa durch tatsächliche Nutzung eines Produkts oder den Besuch eines Ortes?
- Hat die Website einen klaren Schwerpunkt?
- Hat der Leser nach der Lektüre genug gelernt, um sein Ziel zu erreichen?
- Hat er ein zufriedenstellendes Erlebnis?
Warnsignale für Search-engine-first Content
Umgekehrt nennt Google Anzeichen, die auf Inhalte hindeuten, die vor allem für Suchmaschinen geschrieben sind:
- Inhalte, die in erster Linie Besucher aus Suchmaschinen anziehen sollen
- Viele Inhalte zu unterschiedlichen Themen in der Hoffnung, dass einige davon ranken
- Umfangreiche Automatisierung zur Erstellung vieler Inhalte
- Zusammenfassungen dessen, was andere sagen, ohne eigenen Mehrwert
- Themen, die nur aufgegriffen werden, weil sie gerade Trend sind, nicht weil sie zum Publikum passen
- Leser, die nach der Lektüre erneut suchen müssen, um bessere Informationen zu finden
- Texte, die auf eine bestimmte Wortzahl gebracht werden, weil man glaubt, Google bevorzuge sie
- Themen außerhalb des eigenen Fachgebiets, nur wegen des Suchvolumens
- Versprechen von Antworten auf Fragen, die es gar nicht gibt, etwa ein Erscheinungsdatum, das noch nicht feststeht
- Aktualisierungsdaten, die geändert werden, um frisch zu wirken, ohne dass sich der Inhalt wesentlich ändert
Website-weite Wirkung
Eine Besonderheit des Systems war von Anfang an seine Wirkung auf ganze Websites. Wenn ein großer Teil der Inhalte als wenig hilfreich eingestuft wurde, konnte das auch die Rankings der guten Inhalte derselben Website beeinträchtigen. Google hat 2024 zwar erklärt, stärker auf die Bewertung einzelner Seiten zu achten, die Qualität der Website insgesamt spielt aber weiterhin eine Rolle.
Daraus ergibt sich eine wichtige Konsequenz: Schwache Inhalte zu entfernen oder zu verbessern, kann der gesamten Website helfen. Mehr im Beitrag Content-Pruning.
Wer betroffen war
Besonders stark verloren in der Zeit der Helpful Content Updates:
- Affiliate-Websites mit Produktlisten ohne eigene Tests
- Ratgeberportale mit oberflächlichen Artikeln zu sehr vielen Themen
- Websites mit massenhaft KI-generierten Inhalten
- Seiten, die Suchanfragen nach Neuigkeiten mit Spekulationen beantworteten
- Teilweise auch kleinere, unabhängige Publisher, die in der Branche intensiv über die Treffsicherheit des Systems diskutierten
Gewinner waren oft Foren und Community-Plattformen mit echten Erfahrungsberichten, große bekannte Marken und spezialisierte Websites mit nachweisbarer Expertise.
Wie man hilfreiche Inhalte erstellt
Für ein Publikum schreiben, nicht für ein Keyword
Der Ausgangspunkt ist die Frage: Wer soll diesen Inhalt lesen, und was braucht diese Person? Das Keyword hilft, die Nachfrage zu verstehen und die richtigen Begriffe zu verwenden. Es ist aber nicht der Grund, warum der Inhalt existiert.
Beim eigenen Fachgebiet bleiben
Eine Website über Dachsanierung, die plötzlich Artikel über Kryptowährungen veröffentlicht, weil das Thema gerade viel gesucht wird, sendet ein klares Signal: Hier geht es um Traffic, nicht um das Publikum.
Erfahrung zeigen
Eigene Fotos, eigene Beispiele, eigene Einschätzungen – alles, was zeigt, dass jemand das Beschriebene selbst erlebt hat.
Vollständig beantworten
Ein Leser sollte nach dem Besuch nicht weitersuchen müssen. Das heißt nicht, dass jeder Artikel lang sein muss, aber dass er die Frage wirklich klärt.
Ehrlich sein
Unsicherheiten benennen, Grenzen aufzeigen, keine künstliche Länge, keine erfundenen Aktualisierungen.
Erholung nach einem Verlust
Websites, die durch die Bewertung hilfreicher Inhalte verloren haben, fragen sich, wie sie sich erholen. Die ehrliche Antwort: Es ist möglich, aber es dauert und erfordert grundlegende Veränderungen.
- Die betroffenen Bereiche identifizieren: Welche Seiten und Themen haben am stärksten verloren?
- Jede Seite kritisch mit den Fragen von Google prüfen
- Inhalte ohne klaren Nutzen entfernen oder zusammenführen
- Verbleibende Inhalte mit echter Erfahrung, Daten und Tiefe ausbauen
- Themen außerhalb des Kernbereichs aufgeben
- Autoren und ihre Qualifikation sichtbar machen
- Übermäßige Werbung und ablenkende Elemente reduzieren
- Geduld haben: Erholungen zeigen sich oft erst mit späteren Core Updates
Google hat erklärt, dass es keine schnelle Erholung durch einzelne Änderungen gibt. Die Systeme bewerten die Website über längere Zeiträume neu.
Ein Ratgeberportal rund um Haus und Garten hatte über 2.000 Artikel, viele davon von freien Autoren nach Keyword-Listen geschrieben. Nach dem Update im September 2023 halbierte sich die Sichtbarkeit. Ich teilte die Artikel in drei Gruppen: 600 Artikel mit echtem Wert wurden mit Fotos, eigenen Tests und Expertenkommentaren ausgebaut, 900 Artikel wurden zu 250 umfassenderen Beiträgen zusammengeführt, 500 Artikel ohne Nutzen wurden entfernt. Die Erholung setzte nicht sofort ein, aber nach zwei weiteren Core Updates lag die Sichtbarkeit wieder auf dem früheren Niveau – mit weniger als halb so vielen Seiten.
Fragen und Antworten
Gibt es noch Helpful Content Updates?
Nein, nicht als eigenständige Updates. Seit März 2024 sind die Prinzipien Teil der Kernsysteme und wirken in jedem Core Update.
Bestraft das System KI-Inhalte?
Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob Inhalte hilfreich sind. KI-Texte, die ohne Prüfung und Mehrwert in großer Menge veröffentlicht werden, erfüllen die Kriterien aber selten.
Hilft es, Aktualisierungsdaten zu erneuern?
Nur, wenn der Inhalt tatsächlich wesentlich überarbeitet wurde. Google nennt das Ändern von Daten ohne echte Aktualisierung ausdrücklich als Warnsignal.