
Strategie und Redaktionsplan
Die Content-Strategie legt fest, warum und worüber Sie Inhalte erstellen. Der Redaktionsplan legt fest, was konkret wann von wem erstellt, überarbeitet und veröffentlicht wird. Ohne Strategie wird der Redaktionsplan beliebig. Ohne Redaktionsplan bleibt die Strategie ein Papier.
Was in einen Redaktionsplan gehört
Ein praxistauglicher Redaktionsplan ist meist eine Tabelle oder ein Board in einem Projektwerkzeug. Bewährte Spalten:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| Thema / Arbeitstitel | „Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen und Kosten“ |
| Art | neu, Überarbeitung, Zusammenführung |
| Seitentyp | Ratgeber, Leistungsseite, Kategorie, Fallbeispiel |
| Cluster / Hauptbegriff | Verbindung zur Keyword-Map |
| Suchintention | informational, commercial, transactional |
| Ziel-URL | geplante oder bestehende Adresse |
| Priorität | A, B, C |
| Fachliche Quelle | Wer liefert Wissen, Beispiele, Fotos? |
| Autor | Wer schreibt? |
| Prüfung | Wer prüft fachlich und redaktionell? |
| Status | Idee, Briefing, in Arbeit, Prüfung, veröffentlicht |
| Termin | geplante Veröffentlichung |
| Interne Links | welche Seiten verlinken sollen, welche verlinkt werden |
| Nächste Prüfung | Datum für die nächste Aktualisierung |
Die Taktung
Die wichtigste Regel für die Taktung lautet: realistisch statt ehrgeizig. Ein Plan mit zwei starken Inhalten im Monat, der zwei Jahre lang eingehalten wird, bringt mehr als einer mit acht Inhalten, der nach drei Monaten aufgegeben wird.
Bei der Planung hilft eine Aufteilung der Kapazität:
| Anteil | Aufgabe |
|---|---|
| etwa 40–60 % | neue Inhalte zu priorisierten Themen |
| etwa 30–50 % | Überarbeitung und Ausbau bestehender Seiten |
| etwa 10 % | Zusammenführen, Aufräumen, interne Verlinkung |
Die Gewichtung hängt vom Zustand der Website ab. Eine junge Website braucht mehr neue Inhalte, eine gewachsene Website mehr Pflege.
Saisonalität berücksichtigen
Viele Themen haben feste Jahreszeiten. Inhalte sollten zwei bis drei Monate vor dem Anstieg der Nachfrage veröffentlicht oder aktualisiert werden, damit Google sie rechtzeitig bewertet. Google Trends zeigt, wann das Interesse an einem Thema steigt. Mehr im Beitrag Google Trends.
Ein Beispiel für einen Sanitär- und Heizungsbetrieb:
| Zeitraum | Themen für die Planung |
|---|---|
| Juni–August | Heizungswartung, Heizungstausch, Förderung vor der Heizperiode |
| September–Oktober | Heizung entlüften, Notdienst, Frostschutz |
| November–Januar | Badsanierung planen, Förderung im neuen Jahr |
| Februar–April | Wärmepumpe, Solarthermie, Gartenwasseranschlüsse |
Rollen und Abläufe
Inhalte mit echter Expertise entstehen, wenn Fachleute und Schreibende zusammenarbeiten. Ein bewährter Ablauf:
- Briefing: Thema, Suchintention, Gliederung, benötigte Informationen und interne Links – erstellt von der Person, die für SEO zuständig ist.
- Interview oder Input: Fachleute liefern Wissen, Beispiele, Fotos. Ein Gespräch von 20 bis 30 Minuten reicht oft.
- Schreiben: auf Grundlage von Briefing und Input.
- Fachliche Prüfung: Stimmen alle Aussagen?
- Redaktionelle Prüfung: Lesbarkeit, Struktur, Rechtschreibung.
- Optimierung und Veröffentlichung: Title, Description, Bilder, strukturierte Daten, interne Links.
- Nachbereitung: Verlinkung aus bestehenden Seiten, Beobachtung der Leistung.
Werkzeuge
| Werkzeug | Geeignet für |
|---|---|
| Tabellenkalkulation (Excel, Google Sheets) | kleine Teams, einfache Pläne |
| Projektboards (Trello, Asana, Notion, Planner) | Teams mit mehreren Beteiligten, Status-Workflow |
| Redaktionssysteme mit Planungsfunktion | größere Redaktionen |
| Spezialisierte Content-Plattformen | Verbindung von Planung, Briefing und SEO-Daten |
Das beste Werkzeug ist das, das alle Beteiligten tatsächlich nutzen.
Verknüpfung mit der Keyword-Map
Jedes Thema im Redaktionsplan sollte einem Cluster in der Keyword-Map zugeordnet sein. So wird vor jedem neuen Inhalt geprüft, ob das Thema bereits von einer bestehenden Seite abgedeckt wird. Das verhindert Kannibalisierung und sorgt dafür, dass bestehende Seiten ausgebaut statt Duplikate angelegt werden.
| Thema | Art | Priorität | Fachquelle | Termin |
|---|---|---|---|---|
| Grundsteuer: Einspruch und Fristen | Überarbeitung | A | Partnerin Steuerrecht | 1. Woche |
| Photovoltaik und Steuern für Privatleute | neu | A | Steuerberater | 2. Woche |
| Leistungsseite Existenzgründung | Ausbau mit 3 Fallbeispielen | A | Kanzleiinhaber | 3. Woche |
| Glossar: 10 neue Begriffe | neu | B | Sachbearbeitung | 4. Woche |
| Zusammenführung zweier Artikel zur Kleinunternehmerregelung | Aufräumen | B | – | 4. Woche |
Häufige Fehler
- Ein Plan ohne Verbindung zur Strategie – Themen nach Bauchgefühl
- Nur neue Inhalte, keine Pflege
- Keine festen Zuständigkeiten, sodass Aufgaben liegen bleiben
- Fachwissen fehlt, weil Fachleute nicht eingebunden sind
- Zu ehrgeizige Taktung, die nach kurzer Zeit zusammenbricht
- Veröffentlichte Inhalte werden nie wieder angesehen
Rollen und Zuständigkeiten
Ein Redaktionsplan funktioniert nur, wenn klar ist, wer was macht:
| Rolle | Aufgaben |
|---|---|
| Verantwortliche für den Plan | Themen auswählen, Termine setzen, Fortschritt verfolgen |
| Fachleute | Wissen liefern, Entwürfe schreiben oder prüfen |
| Redaktion | Texte schreiben, überarbeiten, Bilder auswählen |
| SEO | Keywords, Struktur, Metadaten, interne Verlinkung |
| Freigabe | fachliche und rechtliche Prüfung vor Veröffentlichung |
In kleinen Unternehmen übernimmt eine Person mehrere Rollen. Wichtig ist, dass jemand den Plan verantwortet und nachhält.
Pflege neben Neuproduktion
Ein häufiger Fehler: Der Redaktionsplan enthält nur neue Artikel. Bestehende Inhalte veralten dabei unbemerkt. Bewährt hat sich, einen festen Anteil der Kapazität für die Aktualisierung vorhandener Inhalte zu reservieren, etwa jeden dritten Termin. Welche Inhalte Vorrang haben, zeigen die Daten der Search Console: Seiten mit sinkenden Klicks oder veralteten Angaben. Mehr im Beitrag zur Content-Aktualisierung.
Werkzeuge für den Plan
Für die meisten Unternehmen genügt eine gemeinsame Tabelle oder ein einfaches Projektwerkzeug mit Spalten für Thema, Ziel-Keyword, Seitentyp, Verantwortliche, Status und Termin. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass es von allen Beteiligten genutzt wird und der Status aktuell bleibt.
Kurz beantwortet
Wie weit im Voraus sollte geplant werden?
Ein Quartal im Detail, das folgende Halbjahr grob. So bleibt Raum für aktuelle Themen und Anpassungen.
Wie viele Inhalte pro Monat sind sinnvoll?
Das hängt von Ressourcen und Wettbewerb ab. Für viele mittelständische Unternehmen sind zwei bis vier hochwertige Inhalte plus Überarbeitungen ein realistischer Rahmen.
Brauche ich einen Redaktionsplan, wenn ich allein arbeite?
Ja, in einfacher Form. Er hilft, Prioritäten zu setzen und Saisonalität zu nutzen – und schützt davor, dass Inhalte im Alltag untergehen.