
Ein Begriff mit zwei Bedeutungen
„Domain-Autorität" wird in zwei Weisen verwendet:
- Als allgemeines Konzept: die Vorstellung, dass eine Website insgesamt als mehr oder weniger vertrauenswürdig und bedeutsam gilt, was allen ihren Seiten zugutekommt.
- Als Kennzahl: der Wert Domain Authority des Anbieters Moz und ähnliche Werte anderer Tools.
Beides ist nicht dasselbe. Das Konzept beschreibt etwas, das sich in den Rankings beobachten lässt. Die Kennzahlen sind Versuche, dieses Konzept aus Linkdaten zu schätzen.
Was Google dazu sagt
Google hat mehrfach erklärt, keine Kennzahl namens „Domain Authority" zu verwenden. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass Google Websites als Ganzes bewertet, etwa bei den Qualitätssystemen, die sich auf die gesamte Website auswirken können, oder bei der Frage, wie vertrauenswürdig eine Quelle zu einem Thema ist.
In den internen Dokumenten, die 2024 öffentlich wurden, tauchte ein Attribut mit dem Namen „siteAuthority" auf. Was genau es misst und wie es gewichtet wird, ist unbekannt. Es zeigt aber, dass Google Signale auf Ebene der Website kennt. Mit den Werten der Tool-Anbieter hat das nichts zu tun.
Die bekanntesten Kennzahlen
| Kennzahl | Anbieter | Grundlage | Skala |
|---|---|---|---|
| Domain Authority (DA) | Moz | Linkdaten, Modell zur Vorhersage von Rankings | 1–100 |
| Domain Rating (DR) | Ahrefs | Menge und Stärke verweisender Domains | 0–100 |
| Authority Score (AS) | Semrush | Links, organischer Traffic, Spamsignale | 0–100 |
| Trust Flow / Citation Flow | Majestic | Nähe zu vertrauenswürdigen Seiten / Linkmenge | 0–100 |
| Sichtbarkeitsindex | Sistrix | Rankings für eine große Keyword-Menge | offen nach oben |
Alle diese Werte sind logarithmisch aufgebaut, zumindest die von 0 bis 100. Der Sprung von 20 auf 30 ist deutlich leichter als der von 70 auf 80.
Wofür die Werte nützlich sind
- Vergleich mit Wettbewerbern: Wie stark ist die eigene Website im Verhältnis zu den Seiten, die für die wichtigsten Begriffe ranken?
- Einschätzung von Linkquellen: Ein erster Filter bei der Suche nach möglichen Partnern oder Medien.
- Entwicklung über Zeit: Wächst das Linkprofil? Gehen wertvolle Links verloren?
- Einschätzung der Konkurrenzstärke: Wenn alle Top-Ergebnisse Werte über 70 haben und die eigene Website bei 15 liegt, wird es mit diesem Begriff schwer.
Wo die Werte in die Irre führen
Sie lassen sich manipulieren
Weil die Werte auf Linkdaten beruhen, können sie durch künstliche Links aufgebläht werden. Es gibt ganze Märkte für Domains mit hohen Werten, die in Google kaum sichtbar sind.
Sie messen keine Relevanz
Ein hoher Wert sagt nichts darüber, ob eine Website zu einem bestimmten Thema als Fachquelle gilt. Ein großes Nachrichtenportal hat einen hohen Wert, rankt aber nicht automatisch für Fachfragen zu Steuerrecht.
Sie messen keine Inhalte
Qualität, Aktualität, Nutzerzufriedenheit und technischer Zustand fließen nicht ein.
Sie unterscheiden sich zwischen Anbietern
Dieselbe Website kann bei Ahrefs einen Wert von 45, bei Moz von 32 und bei Semrush von 38 haben. Vergleiche sind nur innerhalb eines Tools sinnvoll.
Kein Ziel an sich: Aufträge wie „Erhöhe unseren DR auf 50" führen fast zwangsläufig zu Linkaufbau um des Wertes willen, oft mit gekauften Links aus schwachen Quellen. Das Ziel sollten Rankings, Besucher und Anfragen sein, nicht eine Kennzahl eines Drittanbieters.
Autorität im eigentlichen Sinn aufbauen
Was Google als vertrauenswürdige, bedeutsame Quelle wahrnimmt, entsteht durch dieselben Dinge, die auch Menschen überzeugen:
- Hochwertige Inhalte zu einem klar umrissenen Themengebiet, siehe Topical Authority
- Redaktionelle Links aus relevanten Quellen
- Erwähnungen in Medien, Fachportalen und Diskussionen
- Erkennbare Verantwortliche mit Fachwissen, siehe E-E-A-T
- Nutzer, die zurückkommen und die Marke gezielt suchen
- Technische Zuverlässigkeit über Jahre
Wer daran arbeitet, sieht die Tool-Werte meist ohnehin steigen, als Nebeneffekt.
Ältere Domains und Autorität
Oft wird angenommen, alte Domains seien automatisch stärker. Das Alter selbst ist nach Aussagen von Google kein Faktor. Ältere Domains haben aber häufig mehr Links gesammelt, mehr Inhalte und mehr Bekanntheit. Beim Kauf gebrauchter Domains mit hohen Werten ist Vorsicht geboten: Google erkennt, wenn eine Domain für einen völlig anderen Zweck weiterverwendet wird, und kann die alten Signale ignorieren. Seit März 2024 ist der Missbrauch abgelaufener Domains ausdrücklich Teil der Spamrichtlinien.
Häufige Fragen
Welcher Wert ist gut?
Das hängt vom Umfeld ab. Für einen lokalen Betrieb kann ein DR von 20 völlig ausreichen, weil die Wettbewerber ähnliche Werte haben. Für einen bundesweiten Onlineshop in einer umkämpften Branche sind die Werte der Konkurrenz entscheidend.
Warum ist mein Wert gesunken, obwohl ich nichts geändert habe?
Die Werte sind relativ. Wenn Anbieter ihre Datenbank oder Berechnung anpassen oder andere Websites stärker wachsen, kann der eigene Wert sinken. Auch verlorene Links führen zu Rückgängen.
Ist der Sichtbarkeitsindex ein besserer Maßstab?
Er misst etwas anderes, nämlich tatsächliche Rankings. Für die Frage, wie erfolgreich eine Website in Google ist, ist er oft aussagekräftiger. Mehr dazu im Beitrag zum Sichtbarkeitsindex.