
Was Keyword Difficulty ist
Keyword Difficulty, abgekürzt KD, ist eine Schätzung, wie viel Aufwand nötig ist, um für einen Suchbegriff auf die erste Seite der Suchergebnisse zu kommen. Der Wert wird meist auf einer Skala von 0 bis 100 angegeben. Je höher, desto schwieriger.
Wichtig ist: Die Keyword Difficulty ist eine Erfindung der Tool-Anbieter. Google nutzt keinen solchen Wert und veröffentlicht nichts Vergleichbares.
Wie Tools den Wert berechnen
Jeder Anbieter hat eine eigene Formel. Die Grundidee ist aber ähnlich: Man betrachtet die Seiten, die aktuell auf den vorderen Plätzen stehen, und bewertet deren Stärke.
| Tool | Hauptgrundlage des Werts |
|---|---|
| Ahrefs | Anzahl verweisender Domains der Top-10-Seiten |
| Semrush | Kombination aus Linkprofil, Autorität der Domains, SERP-Merkmalen und weiteren Faktoren |
| Moz | Autoritätswerte der rankenden Seiten und Domains |
| Sistrix | Wettbewerbsdichte und Stärke der rankenden Domains |
Weil die Formeln unterschiedlich sind, kann derselbe Begriff in einem Tool als „leicht“ und im anderen als „mittel“ gelten.
Warum der Wert oft in die Irre führt
Er ignoriert Ihre Website
Die wichtigste Schwäche: Der Wert ist für alle gleich. Für eine Website, die seit Jahren zu einem Thema publiziert und starke Links hat, ist ein Begriff mit KD 60 vielleicht in wenigen Wochen erreichbar. Für eine neue Domain kann derselbe Begriff jahrelang außer Reichweite bleiben.
Er überbewertet Links
Die meisten Formeln stützen sich stark auf Backlinks. Links sind ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige. Eine Seite mit wenigen Links kann ranken, weil sie die Suchintention besser erfüllt, aktueller ist oder von einer thematisch starken Website stammt.
Er übersieht die Qualität der Inhalte
Wenn die Top-Ergebnisse zwar von starken Domains stammen, inhaltlich aber schwach, veraltet oder unpassend sind, entsteht eine Chance, die der Wert nicht zeigt. Große Portale ranken oft mit dünnen Seiten, weil es keine bessere Alternative gibt.
Er berücksichtigt keine lokalen Besonderheiten
Bei lokalen Suchanfragen spielen das Unternehmensprofil, die Nähe und lokale Signale eine große Rolle. Ein hoher Difficulty-Wert, der auf starken nationalen Portalen beruht, sagt wenig über die Chancen eines lokalen Anbieters im Local Pack aus.
Die bessere Methode: eine eigene SERP-Analyse
Statt sich auf eine einzelne Zahl zu verlassen, lohnt sich ein Blick auf die tatsächlichen Ergebnisse. Für die wichtigsten Begriffe prüfe ich diese Punkte:
- Welche Arten von Websites stehen oben: große Marken, Portale, Spezialisten, kleine Anbieter?
- Wie gut beantworten die Top-Seiten die Suchintention wirklich?
- Wie aktuell sind die Inhalte?
- Wie umfangreich sind sie – gibt es Lücken, die Sie füllen könnten?
- Stehen Foren, Nutzerbeiträge oder dünne Verzeichnisseiten oben? Das deutet auf eine Chance hin.
- Welche SERP-Elemente nehmen Platz ein: Anzeigen, Karte, KI-Übersicht, Videos, Shopping?
- Wie viele verweisende Domains haben die rankenden Seiten, und wie viele hat Ihre vergleichbare Seite?
- Ist Ihre Website zu diesem Thema bereits mit anderen Inhalten sichtbar?
Eine einfache Bewertungsmatrix
Aus der SERP-Analyse und dem Vergleich mit der eigenen Website ergibt sich eine realistischere Einschätzung:
| Situation | Einschätzung |
|---|---|
| Top-Ergebnisse von kleinen, thematisch ähnlichen Websites mit schwachen Inhalten | gute Chancen auch für jüngere Domains |
| Mischung aus Spezialisten und Portalen, Inhalte mittelmäßig | erreichbar mit sehr gutem Inhalt und etwas Autorität |
| Große Marken und Medienhäuser mit hochwertigen Inhalten | schwierig, nur mit starker eigener Autorität |
| Offizielle Stellen, Wikipedia, Behörden bei YMYL-Themen | sehr schwierig, eher für unterstützende Inhalte |
| Dominanz von Shopping, Anzeigen und KI-Übersicht | organisch wenig Klickpotenzial, unabhängig von der Schwierigkeit |
Die eigene Stärke einschätzen
Um die Schwierigkeit relativ zur eigenen Website zu bewerten, hilft ein Blick auf bestehende Rankings: Für welche Begriffe mit welchen Difficulty-Werten ranken Sie bereits auf der ersten Seite? Diese Begriffe markieren Ihre aktuelle Reichweite. Begriffe mit ähnlichem oder niedrigerem Wert sind realistische Ziele, deutlich höhere eher mittelfristige Ziele.
Eine Steuerberatungskanzlei rankt auf der ersten Seite für mehrere Begriffe mit einem Semrush-KD zwischen 20 und 35. Ein Begriff mit KD 70 würde demnach erheblichen Autoritätsaufbau erfordern. Die SERP-Analyse zeigt jedoch, dass die Top-Ergebnisse allgemeine Portale mit veralteten Artikeln sind. Mit einem sehr gründlichen, aktuellen Ratgeber aus der Praxis der Kanzlei gelingt nach vier Monaten Platz 4 – trotz des hohen Werts.
Wann der Wert trotzdem nützlich ist
Die Keyword Difficulty ist ein gutes Werkzeug, um große Listen vorzusortieren. Wer 3.000 Begriffe bewerten muss, kann nicht jede Ergebnisseite einzeln ansehen. Der Wert hilft, Begriffe mit sehr hohem Wettbewerb zunächst beiseitezulegen und sich auf die vielversprechenden Kandidaten zu konzentrieren. Für die endgültige Entscheidung sollte aber immer ein Blick auf die tatsächliche Ergebnisseite folgen.
Schwierigkeit langfristig senken
Die Schwierigkeit eines Begriffs ist nicht festgeschrieben – zumindest nicht für Ihre Website. Mit wachsender thematischer Autorität werden Begriffe erreichbar, die vorher außer Reichweite lagen. Das gelingt vor allem durch:
- Themencluster: Viele gut verknüpfte Inhalte zu einem Thema stärken die Relevanz der gesamten Website. Mehr im Beitrag Topical Authority.
- Hochwertige Links: Verweise von relevanten Websites erhöhen das Vertrauen.
- Einstieg über den Long Tail: Spezifische Begriffe mit geringer Schwierigkeit bringen erste Rankings und Signale, die den Weg zu umkämpfteren Begriffen ebnen.
Gut zu wissen
Welcher KD-Wert ist gut für Anfänger?
Für neue Websites sind Begriffe mit niedrigen Werten ein sinnvoller Einstieg, bei Ahrefs etwa unter 10 bis 20, bei Semrush unter 30. Die SERP-Analyse sollte aber immer ergänzend erfolgen.
Warum ranke ich nicht für einen Begriff mit KD 5?
Die Schwierigkeit berücksichtigt nicht, ob Ihre Seite die Suchintention erfüllt, technisch einwandfrei ist und ausreichend verlinkt wird. Oft liegt das Problem dort und nicht beim Wettbewerb.