
Wofür das Werkzeug gedacht ist
Google hat das Disavow-Tool im Oktober 2012 eingeführt, einige Monate nach dem ersten Penguin-Update. Viele Betreiber hatten damals Links, die sie selbst oder beauftragte Dienstleister künstlich aufgebaut hatten, und konnten diese nicht mehr entfernen lassen. Das Werkzeug bot einen Ausweg.
Die offizielle Empfehlung von Google lautet sinngemäß: Das Werkzeug sollte nur verwendet werden, wenn eine beträchtliche Anzahl von Spam-, künstlichen oder minderwertigen Links auf die Website verweist und diese Links eine manuelle Maßnahme verursacht haben oder wahrscheinlich verursachen werden.
Wann Sie es nutzen sollten
| Situation | Disavow sinnvoll? |
|---|---|
| Manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher eingehender Links | ja, zusammen mit Entfernungsanfragen |
| Umfangreicher früherer Linkkauf, noch keine Maßnahme | in vielen Fällen ja, vorsorglich |
| Deutlich erkennbarer Angriff mit Spamlinks | möglich, wenn ein klares Muster besteht |
| Einige zufällige Links von Spam-Verzeichnissen | nein, Google ignoriert sie |
| Hoher Toxizitätswert in einem Tool | nicht allein deshalb |
| Rankingverlust ohne erkennbaren Linkbezug | nein, Ursache liegt meist woanders |
Wie das Werkzeug wirkt
Die hochgeladene Datei ist für Google ein starker Hinweis, die aufgeführten Links nicht zu berücksichtigen. Die Wirkung tritt nicht sofort ein. Google muss die verlinkenden Seiten erneut crawlen, bevor die Entwertung greift. Bei großen Linklisten kann das Wochen bis Monate dauern.
Wichtig ist: Entwertete Links zählen weder negativ noch positiv. Wer versehentlich gute Links entwertet, verliert deren Wirkung.
Die Disavow-Datei
Die Datei ist eine einfache Textdatei im Format UTF-8 oder 7-Bit-ASCII mit der Endung .txt. Jede Zeile enthält entweder eine einzelne URL oder eine ganze Domain.
# Linknetzwerk, Entfernung am 12.03. angefragt, keine Antwort
domain:beispiel-linkfarm.com
domain:artikel-verzeichnis-xyz.net
# einzelne gekaufte Artikel
https://www.magazin-beispiel.de/artikel/kredite-vergleich-2019
https://www.blog-beispiel.info/tipps-fuer-heizung
- Zeilen mit
#sind Kommentare und werden ignoriert. Sie dienen der eigenen Dokumentation. domain:entwertet alle Links von dieser Domain beziehungsweise Subdomain.- Einzelne URLs entwerten nur Links von genau dieser Seite.
- Die Datei darf höchstens 2 MB groß sein und höchstens 100.000 Zeilen enthalten.
Domain statt URL: Bei Linknetzwerken und Spamseiten ist es fast immer sinnvoller, die ganze Domain zu entwerten. Einzelne URLs übersehen leicht weitere Seiten derselben Quelle, die später entdeckt werden.
Hochladen Schritt für Schritt
- Die Seite des Disavow-Tools aufrufen, sie ist nicht direkt im Menü der Search Console verlinkt, sondern über die Hilfe oder die direkte Adresse erreichbar.
- Die passende Property auswählen. Eine Domain-Property deckt alle Varianten ab.
- Die Textdatei hochladen.
- Bei einer bereits vorhandenen Datei wird diese vollständig ersetzt. Deshalb muss die neue Datei immer alle bisherigen Einträge enthalten, die weiterhin gelten sollen.
Häufigster Fehler: Eine neue Datei mit nur den neuen Einträgen hochzuladen. Damit werden alle früheren Entwertungen aufgehoben. Laden Sie vorher die bestehende Datei herunter und ergänzen Sie sie.
Weitere typische Fehler
- Zu breite Entwertung: Ganze Top-Level-Domains oder Hunderte Domains auf Basis eines Toolwerts entwerten, ohne sie anzusehen.
- Gute Links entwerten: Branchenverzeichnisse, Foren oder Medien mit Nofollow-Links landen in der Liste, obwohl sie harmlos oder wertvoll sind.
- Falsches Format: Leerzeichen am Zeilenanfang, falsche Kodierung oder Tabellenformat statt reinem Text.
- Falsche Property: Die Datei wird für die http-Variante hochgeladen, die Website läuft aber unter https.
- Keine Dokumentation: Später weiß niemand mehr, warum welche Domain entwertet wurde.
Zusammenspiel mit manuellen Maßnahmen
Bei einer manuellen Maßnahme reicht das Disavow-Tool allein meist nicht. Google erwartet, dass Betreiber sich ernsthaft bemühen, unnatürliche Links entfernen zu lassen. Das Vorgehen:
- Alle unnatürlichen Links identifizieren
- Betreiber der verlinkenden Seiten anschreiben und um Entfernung bitten
- Anfragen und Antworten dokumentieren
- Nicht entfernbare Links über das Disavow-Tool entwerten
- Einen Antrag auf erneute Überprüfung in der Search Console stellen, mit einer sachlichen Beschreibung der Maßnahmen
Mehr dazu im Beitrag zu manuellen Maßnahmen.
Eine Datei zurücknehmen
Wer feststellt, dass eine Datei zu viele Links enthält, kann sie jederzeit ersetzen oder löschen. Auch das Aufheben einer Entwertung wirkt erst, wenn Google die betroffenen Seiten erneut crawlt. Ein schneller Effekt ist also auch in diese Richtung nicht zu erwarten.
Fragen und Antworten
Gilt die Datei auch für Bing?
Nein. Bing hat ein eigenes Disavow-Werkzeug in den Bing Webmaster Tools. Die Datei für Google gilt nur dort.
Muss ich die Datei regelmäßig aktualisieren?
Nur, wenn neue problematische Links hinzukommen, die Teil eines Musters sind. Für die meisten Websites ist das nicht nötig.
Sieht der Betreiber der entwerteten Seite etwas davon?
Nein. Die Datei ist nur für Google sichtbar. Der Betreiber der verlinkenden Seite erfährt nichts.