
Wann ein Domainumzug sinnvoll ist
- Umfirmierung oder neuer Markenname: Die alte Domain passt nicht mehr zum Unternehmen.
- Fusion oder Übernahme: Mehrere Websites werden auf einer Domain zusammengeführt.
- Internationalisierung: Von einer Länderdomain auf eine generische Domain mit Länderverzeichnissen.
- Bessere Domain: Eine kürzere oder passendere Adresse ist verfügbar geworden.
Nicht sinnvoll ist ein Umzug nur in der Hoffnung auf bessere Rankings durch eine Domain mit Suchbegriffen. Dieser Effekt ist heute gering, das Risiko des Umzugs dagegen real.
Die Grundregel: ein Schritt nach dem anderen
Ein Domainumzug sollte möglichst allein stattfinden, ohne gleichzeitigen Relaunch, neue URL-Struktur oder neue Inhalte. Wenn alles auf einmal geändert wird und die Rankings fallen, lässt sich kaum feststellen, woran es liegt. Wenn beides unvermeidlich zusammenfällt, gelten zusätzlich alle Regeln des Website-Relaunch.
Vorbereitung
Die neue Domain prüfen
Wurde die Domain früher genutzt? Eine Domain mit einer Vergangenheit als Spam-Website oder mit einer manuellen Maßnahme kann Probleme mitbringen. Die Wayback Machine, Backlink-Werkzeuge und eine Suche nach der Domain geben Hinweise.
Bestandsaufnahme
- vollständige Liste aller URLs der alten Domain
- Seiten mit Klicks und externen Links
- Rankings der wichtigsten Begriffe als Vergleichsbasis
- Inhalte der robots.txt und Sitemaps
Search Console vorbereiten
Die neue Domain wird als Property angelegt und bestätigt, bevor der Umzug stattfindet. Die alte Property bleibt bestehen.
Die Weiterleitungen
Das Herzstück des Umzugs sind 301-Weiterleitungen von jeder alten URL auf die entsprechende neue URL:
alt.de/leistungen/badsanierung → neu.de/leistungen/badsanierung
alt.de/ratgeber/heizung-entlueften → neu.de/ratgeber/heizung-entlueften
Bei gleicher URL-Struktur lässt sich das mit einer einzigen Regel auf dem Server umsetzen, die den Pfad übernimmt. Wichtig:
- jede URL auf ihr genaues Gegenstück, nicht alles auf die Startseite
- alle Varianten der alten Domain: mit und ohne www, http und https
- auch Bilder, PDFs und andere Dateien mit externen Links
- keine Ketten über Zwischenstationen
Mehr zur Technik im Beitrag zur 301-Weiterleitung.
Die Adressänderung in der Search Console
Google bietet mit dem Werkzeug zur Adressänderung eine Möglichkeit, den Umzug einer ganzen Domain mitzuteilen. Voraussetzungen:
- beide Domains sind in der Search Console bestätigt
- die Weiterleitungen sind aktiv
- die Startseite der alten Domain leitet auf die neue weiter
Die Adressänderung beschleunigt die Übertragung der Signale, ersetzt aber nicht die Weiterleitungen. Sie ist nur für den Wechsel ganzer Domains gedacht, nicht für Umzüge innerhalb einer Domain oder von Unterverzeichnissen.
Nach dem Umzug
- Sitemap der neuen Domain einreichen. Zusätzlich kann die alte Sitemap eine Zeit lang aktiv bleiben, damit Google die alten URLs schneller erneut abruft und die Weiterleitungen findet.
- Interne Links aktualisieren: Alle Links innerhalb der Website zeigen direkt auf die neue Domain, nicht über Weiterleitungen.
- Canonicals und hreflang prüfen: Sie müssen auf die neue Domain zeigen.
- Wichtige externe Links aktualisieren lassen: Partner, Verzeichnisse, Profile in sozialen Netzwerken, das Google-Unternehmensprofil, Bing Places, Apple Business Connect.
- E-Mail-Adressen und Signaturen umstellen.
- Werbekampagnen, Newsletter und gedruckte Materialien anpassen.
Kontrolle
| Zeitraum | Was prüfen |
|---|---|
| Erste Tage | Weiterleitungen per Stichprobe und Crawl, Indexierung der neuen Startseite |
| Erste Wochen | Verlauf von Klicks auf der alten und der neuen Property, Indexierung der neuen URLs |
| Erste Monate | Rankings im Vergleich zu vorher, Linkverluste, 404-Fehler |
Typisch ist, dass die Klicks auf der alten Property sinken und auf der neuen steigen. Nach einigen Wochen bis wenigen Monaten sollten die meisten Signale übertragen sein. Kleinere Schwankungen in dieser Zeit sind normal.
Wie lange die alte Domain bleiben muss
Die alte Domain sollte dauerhaft registriert und die Weiterleitungen aktiv bleiben. Google empfiehlt mindestens 180 Tage, besser deutlich länger. Externe Links zeigen oft noch Jahre auf die alte Adresse. Wer die alte Domain aufgibt, verliert diese Links, und die Domain kann von Dritten übernommen werden, im schlimmsten Fall für Spam unter dem alten Namen.
Die alte Domain nie auslaufen lassen: Eine auslaufende Domain kann von Domainhändlern übernommen und für fremde Zwecke genutzt werden. Die Kosten für die Verlängerung sind im Vergleich zum Risiko gering.
Sonderfälle
Zusammenlegung mehrerer Domains
Wenn mehrere Websites zusammengeführt werden, erhält jede alte URL ein inhaltlich passendes Ziel auf der neuen Domain. Überschneidende Inhalte werden zusammengeführt. Die Übertragung dauert oft länger als bei einem einfachen Umzug.
Markenwechsel
Bei einem neuen Markennamen suchen Kunden eine Zeit lang weiterhin nach dem alten Namen. Ein Hinweis auf der neuen Website, etwa „früher bekannt als", und Presseinformationen helfen, die Verbindung herzustellen. Mehr im Beitrag zu Brand-SEO.
Wechsel von Subdomain auf Hauptdomain
Etwa von blog.example.de nach example.de/blog/. Auch hier gelten 301-Weiterleitungen für jede URL. Die Adressänderung in der Search Console ist für Subdomain-Umzüge nicht in jedem Fall verfügbar.
Fragen aus der Praxis
Wie viel Sichtbarkeit verliert man bei einem Umzug?
Bei sauberer Umsetzung oft nur vorübergehend wenig. Dauerhafte Verluste entstehen vor allem durch fehlende Weiterleitungen, gleichzeitige Relaunches oder Probleme der neuen Domain.
Soll ich den Umzug ankündigen?
Kunden und Partner zu informieren ist sinnvoll. Für Google reichen Weiterleitungen und die Adressänderung in der Search Console.
Kann ich nach einem Umzug zurück wechseln?
Technisch ja, mit denselben Schritten in umgekehrter Richtung. Jeder Wechsel kostet aber Zeit und birgt Risiken. Ein Umzug sollte deshalb gut überlegt sein.