
Was sich mit GA4 geändert hat
Google Analytics 4 hat im Juli 2023 das frühere Universal Analytics abgelöst. Die wichtigsten Unterschiede:
- Ereignisse statt Seitenaufrufe: Jede Interaktion ist ein Ereignis, auch der Seitenaufruf.
- Interaktionsrate statt Absprungrate: Eine Sitzung gilt als interagiert, wenn sie länger als zehn Sekunden dauert, mehrere Seiten umfasst oder eine Conversion enthält.
- Schlüsselereignisse: Conversions heißen in GA4 inzwischen Schlüsselereignisse.
- Datenschutz: kürzere Datenaufbewahrung, keine Speicherung von IP-Adressen, Unterstützung für den Consent Mode.
- Berichte: weniger Standardberichte, dafür die Möglichkeit, eigene Auswertungen zu erstellen.
Organische Besucher finden
Organische Besucher aus Suchmaschinen erscheinen in der Standard-Kanalgruppe als „Organic Search". In den Berichten zur Akquisition lassen sich Nutzer und Sitzungen nach Kanal auswerten:
- Nutzerakquisition: Über welchen Kanal kamen neue Nutzer zuerst?
- Traffic-Akquisition: Über welchen Kanal kamen die einzelnen Sitzungen?
Für SEO ist meist die Traffic-Akquisition aussagekräftiger.
Landingpages analysieren
Der Bericht zu Landingpages zeigt, auf welchen Seiten Besucher ihre Sitzung beginnen. Mit einem Filter auf den Kanal „Organic Search" wird sichtbar:
- welche Seiten die meisten organischen Besucher bringen
- wie hoch die Interaktionsrate je Seite ist
- welche Seiten zu Schlüsselereignissen führen
Die wertvollste Auswertung für SEO: Landingpages aus der organischen Suche mit ihren Schlüsselereignissen. So wird sichtbar, welche Seiten nicht nur Besucher, sondern auch Anfragen oder Umsätze bringen. Seiten mit vielen Besuchern und wenigen Conversions sind Kandidaten für eine Überarbeitung.
Conversions messen
Ohne Conversion-Messung bleibt unklar, ob SEO wirtschaftlich wirkt. Typische Schlüsselereignisse:
- abgeschickte Kontaktformulare
- Klicks auf Telefonnummern und E-Mail-Adressen
- Käufe im Shop mit Umsatz
- Terminbuchungen
- Downloads wichtiger Dokumente
- Anmeldungen zum Newsletter
Die Einrichtung beschreibt der Beitrag zum Conversion-Tracking.
Verknüpfung mit der Search Console
GA4 lässt sich mit der Search Console verknüpfen. Danach stehen in GA4 zusätzliche Berichte zur Verfügung, die Suchanfragen und Landingpages mit den Daten der Search Console zeigen. Die Berichte müssen in der Bibliothek der Berichte veröffentlicht werden, damit sie im Menü erscheinen.
Eine Kanalgruppe für KI-Verweise
Besuche aus ChatGPT, Perplexity, Gemini und anderen KI-Systemen erscheinen standardmäßig als Verweise. Eine eigene Kanalgruppe macht sie sichtbar:
- In der Verwaltung unter Datenanzeige die Kanalgruppen öffnen
- Eine neue Kanalgruppe auf Basis der Standardgruppe anlegen
- Einen neuen Kanal „KI-Assistenten" hinzufügen mit einer Bedingung für die Quelle, etwa mit einem regulären Ausdruck wie
chatgpt|perplexity|gemini|copilot|claude - Den neuen Kanal über dem Kanal „Referral" einordnen, damit er zuerst greift
Mehr dazu im Beitrag KI-Sichtbarkeit messen.
Consent Mode und Datenlücken
In der EU müssen Nutzer der Analyse in der Regel zustimmen, bevor Cookies gesetzt werden. Viele Nutzer lehnen ab. Der Consent Mode von Google überträgt in diesem Fall datensparsame Signale ohne Cookies, und GA4 schätzt über Modellierung einen Teil der fehlenden Daten.
Für die Auswertung bedeutet das:
- Die absoluten Zahlen in GA4 sind niedriger als die tatsächlichen Besuche.
- Die Search Console ist für Klicks aus der Suche zuverlässiger.
- Trends und Verhältnisse sind aussagekräftiger als absolute Werte.
Datenschutz: Die rechtliche Bewertung von Google Analytics in der EU hat sich mehrfach verändert. Seit dem Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission für den Datenaustausch mit den USA im Juli 2023 ist die Lage stabiler, eine Einwilligung und eine sorgfältige Konfiguration bleiben aber nötig. Details sollten mit der Datenschutzberatung geklärt werden. Diese Website selbst verzichtet auf Analyse-Cookies.
Explorative Analysen
Mit den explorativen Analysen, in GA4 „Explore" genannt, lassen sich eigene Auswertungen erstellen, etwa:
- Pfade von Nutzern, die über einen Ratgeber einsteigen und später eine Leistungsseite besuchen
- Vergleiche zwischen Segmenten, etwa organisch und bezahlt
- Trichter von der Landingpage bis zur Anfrage
Wichtige Einstellungen nach der Einrichtung
- Datenaufbewahrung auf den längsten verfügbaren Zeitraum stellen, in der Standardversion 14 Monate
- Interne Zugriffe ausfiltern, etwa über die IP-Adressen des Büros
- Verweisausschlüsse für Zahlungsanbieter, damit Käufe nicht dem Zahlungsdienst zugeordnet werden
- Erweiterte Messung prüfen, etwa Scrolltiefe, ausgehende Klicks, Websitesuche
- Verknüpfungen mit Search Console und Google Ads einrichten
- Schlüsselereignisse für alle wichtigen Conversions festlegen
Organische Suche nach Suchmaschinen
Die Kanalgruppe „Organic Search" fasst Besuche aus allen Suchmaschinen zusammen. Über die Dimension „Sitzungsquelle" lassen sich Google, Bing, DuckDuckGo, Ecosia und andere getrennt auswerten. Für manche Zielgruppen, etwa im B2B mit vielen Windows-Nutzern, ist der Anteil von Bing höher als erwartet.
Grenzen von GA4 für SEO
GA4 zeigt keine Suchbegriffe aus der organischen Suche, weil Google diese aus Datenschutzgründen nicht übermittelt. Dafür ist die Search Console zuständig. GA4 zeigt, was auf der Website passiert, die Search Console, was vorher passiert. Erst beide zusammen, etwa in einem gemeinsamen Dashboard, ergeben ein vollständiges Bild. Mehr im Beitrag zu Looker Studio.
Gut zu wissen
Warum zeigt GA4 weniger organische Besucher als die Search Console Klicks?
Wegen fehlender Einwilligungen, Werbeblocker, unterschiedlicher Definitionen und Zeitzonen. Die Search Console ist für Klicks aus der Suche die verlässlichere Quelle.
Gibt es Alternativen zu Google Analytics?
Ja, etwa Matomo, Plausible, etracker oder serverseitige Lösungen. Manche lassen sich ohne Cookies und ohne Einwilligung betreiben. Die Wahl hängt von Anforderungen an Funktionen und Datenschutz ab.
Wie lange speichert GA4 Daten?
Die Aufbewahrung für Daten auf Ebene einzelner Nutzer und Ereignisse ist in der Standardversion auf höchstens 14 Monate begrenzt. Standardberichte mit zusammengefassten Daten sind davon nicht betroffen.