
Mehrsprachig oder mehrländisch?
Zwei Begriffe werden oft verwechselt:
- Mehrsprachig: Die Website bietet Inhalte in mehreren Sprachen an, etwa Deutsch, Englisch und Französisch, ohne sich auf bestimmte Länder festzulegen.
- Mehrländisch: Die Website richtet sich an Nutzer in bestimmten Ländern, etwa Deutschland, Österreich und die Schweiz, auch wenn die Sprache dieselbe ist.
Viele Websites sind beides: Deutsch für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Französisch für Frankreich und die französischsprachige Schweiz, Englisch für den Rest der Welt. Diese Unterscheidung bestimmt die Struktur und die hreflang-Angaben.
Schritt 1: Märkte auswählen
Nicht jedes Land lohnt sich. Vor dem Aufbau stehen Fragen:
- Gibt es dort Nachfrage nach dem Angebot? Suchvolumen, Marktgröße, Wettbewerb.
- Kann das Unternehmen dort liefern, beraten, Service bieten?
- Gibt es rechtliche Besonderheiten, etwa bei Produktzulassungen, Verbraucherrecht oder Datenschutz?
- Wie stark sind die lokalen Wettbewerber in der Suche?
- Welche Suchmaschinen werden genutzt? In den meisten europäischen Ländern ist Google dominant, in einigen anderen Märkten spielen weitere Suchmaschinen eine Rolle.
Schritt 2: Die Domainstruktur
| Struktur | Beispiel | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Länderdomains | example.de, example.at, example.fr | starkes Länder-Signal, Vertrauen bei Nutzern | jede Domain muss eigene Stärke aufbauen, höherer Aufwand |
| Unterverzeichnisse | example.com/de/, example.com/fr/ | Stärke der Hauptdomain wird geteilt, einfach zu verwalten | schwächeres Länder-Signal ohne hreflang |
| Subdomains | de.example.com, fr.example.com | technische Trennung möglich | Stärke wird nicht vollständig geteilt |
| Parameter | example.com?lang=de | keine | nicht empfohlen |
Für die meisten mittelständischen Unternehmen sind Unterverzeichnisse die wirtschaftlichste Lösung. Länderdomains lohnen sich bei großen Märkten mit eigenem Team und eigenen Marketingbudgets. Die Entscheidung erklärt der Beitrag zur Domainstrategie.
Schritt 3: hreflang
hreflang-Angaben sagen Google, welche Sprach- oder Länderversion einer Seite für welche Nutzer gedacht ist. Ohne sie zeigt Google womöglich die deutsche Seite in Österreich, obwohl es eine österreichische Version gibt, oder behandelt die Versionen als doppelte Inhalte.
<link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://www.example.com/de-de/produkt/" />
<link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://www.example.com/de-at/produkt/" />
<link rel="alternate" hreflang="fr-FR" href="https://www.example.com/fr-fr/produit/" />
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.example.com/produkt/" />
Die Regeln und typischen Fehler beschreibt der Beitrag zu hreflang.
Schritt 4: Lokalisierung
Eine gute Länderversion ist nicht nur übersetzt, sondern angepasst:
- Sprache und Tonalität, einschließlich regionaler Unterschiede
- Währung, Preise, Mehrwertsteuer
- Maßeinheiten, Datumsformate, Telefonnummern
- Versand, Zahlungsarten, Rückgabe
- rechtliche Angaben wie Impressum und Datenschutz nach Landesrecht
- Referenzen, Bewertungen und Ansprechpartner aus dem Land
- kulturelle Unterschiede bei Bildern und Beispielen
Mehr dazu im Beitrag zu Lokalisierung und Übersetzung.
Schritt 5: Keyword-Recherche je Markt
Wörter lassen sich übersetzen, Suchverhalten nicht. Was in Deutschland „Treppenlift" heißt, kann in Österreich anders gesucht werden, und in Frankreich sucht man vielleicht nach einem ganz anderen Begriff als der wörtlichen Übersetzung. Deshalb braucht jeder Markt eine eigene Keyword-Recherche, idealerweise mit muttersprachlicher Unterstützung. Siehe mehrsprachige Keyword-Recherche.
Schritt 6: Technische Grundlagen
- Keine automatische Weiterleitung nach IP oder Browsersprache: Google crawlt überwiegend aus den USA. Wer Nutzer anhand ihrer IP automatisch umleitet, verhindert womöglich, dass Google die anderen Versionen sieht. Besser ist ein Hinweis mit Auswahlmöglichkeit.
- Eigene URLs für jede Version: Inhalte dürfen nicht nur per Cookie oder JavaScript die Sprache wechseln.
- Sprachwähler mit Links: Nutzer und Crawler sollen jede Version über normale Links erreichen.
- Canonical je Version auf sich selbst: nicht auf die Hauptsprache.
- Sitemaps mit hreflang oder hreflang im HTML.
- Hosting und CDN: Ein CDN sorgt für gute Ladezeiten in allen Ländern.
Schritt 7: Linkaufbau und Bekanntheit im Zielland
Links und Erwähnungen aus dem Zielland stärken die jeweilige Länderversion. Ein deutscher Hersteller, der in Frankreich verkaufen will, braucht Präsenz in französischen Fachmedien, Verzeichnissen und bei französischen Partnern. Mehr im Beitrag zum internationalen Linkaufbau.
Schritt 8: Messung
- Search Console mit Filtern nach Land und Verzeichnis oder eigenen Properties je Länderversion
- Rankings je Land und Sprache mit einem Rankingwerkzeug, das Standorte unterstützt
- Webanalyse nach Ländern und Sprachversionen
- Prüfung, ob Nutzer in jedem Land die richtige Version sehen
Was schiefgehen kann
- Maschinelle Übersetzung ohne Prüfung: Fehler, unnatürliche Formulierungen, falsche Fachbegriffe.
- Fehlende oder fehlerhafte hreflang-Angaben.
- Automatische Weiterleitungen nach IP-Adresse.
- Nur die Startseite übersetzt, alle anderen Seiten auf Deutsch.
- Gleiche Keywords wie im Deutschen, nur übersetzt.
- Keine Ansprechpartner oder Kontaktmöglichkeiten im Zielland.
Häufige Fragen
Muss ich für jedes Land eine eigene Version erstellen?
Nur, wenn sich Angebot, Preise, Recht oder Suchverhalten unterscheiden. Für viele Unternehmen genügt eine Sprachversion für mehrere Länder, etwa eine englische für alle englischsprachigen Märkte.
Wie lange dauert es, bis eine neue Länderversion rankt?
Bei Unterverzeichnissen einer starken Domain oft einige Wochen bis Monate. Neue Länderdomains brauchen meist länger, weil sie eigene Stärke aufbauen müssen.
Reicht eine englische Version für alle Länder?
Für internationale B2B-Kunden oft ja. Für Verbraucher in nicht englischsprachigen Ländern ist eine Version in der Landessprache in der Regel deutlich erfolgreicher.