
Die Grundidee
Ein Keyword-Cluster ist eine Gruppe von Suchbegriffen, die dieselbe Suchintention haben und mit einer einzigen Seite beantwortet werden können. Statt für „Dachrinne reinigen“, „Dachrinnenreinigung“, „Regenrinne sauber machen lassen“ und „Dachrinne säubern Firma“ vier Seiten zu erstellen, entsteht eine starke Seite, die alle Varianten abdeckt.
Das hat drei Vorteile: Die Seite wird inhaltlich stärker, weil alle Signale gebündelt werden. Die Seiten konkurrieren nicht miteinander. Und der Aufwand sinkt, weil weniger, dafür bessere Inhalte entstehen.
Wann Begriffe zusammengehören
Die zentrale Frage lautet: Würde Google für diese Begriffe dieselben Seiten zeigen? Wenn ja, erwartet die Suchmaschine offenbar dieselbe Antwort, und die Begriffe gehören in ein Cluster.
Man unterscheidet grob zwei Ansätze:
| Ansatz | Methode | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Semantisch | Begriffe werden nach Bedeutung und Wortähnlichkeit gruppiert | schnell, ohne Datenabfrage | übersieht Unterschiede in der Absicht |
| SERP-basiert | Begriffe werden nach Überschneidung ihrer Suchergebnisse gruppiert | spiegelt Googles Verständnis wider | erfordert Daten oder Tools |
In der Praxis kombiniere ich beide: eine semantische Vorsortierung, gefolgt von einer SERP-Prüfung bei Zweifelsfällen.
SERP-basiertes Clustering Schritt für Schritt
- Top-10-Ergebnisse erfassen: Für jeden Begriff werden die URLs der ersten zehn organischen Ergebnisse festgehalten.
- Überschneidung messen: Für jedes Begriffspaar wird gezählt, wie viele URLs in beiden Ergebnislisten vorkommen.
- Schwellenwert festlegen: Ab einer bestimmten Überschneidung, oft drei bis vier gemeinsame URLs, gelten Begriffe als zusammengehörig.
- Gruppen bilden: Begriffe, die sich gegenseitig überschneiden, werden zu Clustern zusammengefasst.
- Hauptbegriff bestimmen: Innerhalb jedes Clusters wird der Begriff mit dem höchsten Volumen oder Geschäftswert zum Leitbegriff.
Der Schwellenwert beeinflusst das Ergebnis stark. Ein niedriger Wert erzeugt große Cluster und wenige Seiten, ein hoher Wert kleine Cluster und viele Seiten. Für die meisten Websites hat sich ein mittlerer Wert bewährt, der bei Grenzfällen manuell geprüft wird.
Für einen Anbieter von Treppenliften wurden 180 Begriffe untersucht. Die SERP-Analyse ergab unter anderem diese Cluster:
- Cluster „Treppenlift Kosten“: Treppenlift Kosten, Treppenlift Preis, was kostet ein Treppenlift, Treppenlift Preise Kurve – hier zeigte Google fast identische Ratgeber und Preisübersichten.
- Cluster „Treppenlift Zuschuss“: Treppenlift Pflegekasse, Treppenlift Zuschuss, Treppenlift Förderung KfW – eigene Absicht, eigene Seite.
- Cluster „Treppenlift gebraucht“: gebrauchter Treppenlift, Treppenlift gebraucht kaufen – überwiegend Kleinanzeigen und Händlerseiten, also eine andere Absicht.
Die ursprüngliche Planung sah 34 Seiten vor. Nach dem Clustering waren es 11 – jede davon deutlich umfangreicher.
Werkzeuge für das Clustering
| Werkzeug | Art | Einsatz |
|---|---|---|
| Tabellenkalkulation und manuelle SERP-Prüfung | manuell | kleine Listen bis etwa 100 Begriffe |
| Keyword-Tools mit Cluster-Funktion (z. B. Semrush Keyword Strategy Builder, Ahrefs Parent Topic) | automatisch | schneller Überblick, große Listen |
| Spezialisierte Clustering-Tools | SERP-basiert | große Listen mit einstellbaren Schwellenwerten |
| Eigene Skripte mit SERP-Daten | individuell | sehr große Projekte, maßgeschneiderte Logik |
| Sprachmodelle | semantische Vorsortierung | Hilfe beim ersten Gruppieren, nicht als alleinige Grundlage |
Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude sind hilfreich, um eine lange Liste grob vorzusortieren und Gruppen zu benennen. Sie kennen aber nicht die aktuellen Suchergebnisse und verwechseln leicht ähnlich klingende Begriffe mit unterschiedlicher Absicht. Für die endgültige Entscheidung braucht es SERP-Daten.
Typische Grenzfälle
Singular und Plural: „Zahnarzt Koblenz“ und „Zahnärzte Koblenz“ liefern meist fast dieselben Ergebnisse und gehören zusammen. Bei Produktbegriffen gibt es Ausnahmen: „Schuh“ und „Schuhe“ können unterschiedliche Absichten haben.
Kosten- und Preisbegriffe: Manchmal zeigt Google für „Leistung + Kosten“ dieselben Seiten wie für die Leistung selbst, manchmal eigene Preisratgeber. Hier entscheidet die konkrete SERP.
Lokale Varianten: „Elektriker Montabaur“ und „Elektriker Westerburg“ haben dieselbe Absicht, aber unterschiedliche Orte. Ob sie eigene Seiten brauchen, hängt davon ab, ob Sie an beiden Orten tätig sind und ob Sie für jeden Ort eigenständige Inhalte liefern können. Mehr dazu im Beitrag Stadtseiten.
Fragen: Fragen wie „Wie lange hält eine Dachrinne?“ können auf der Hauptseite beantwortet werden oder eine eigene Ratgeberseite verdienen. Wenn Google für die Frage eigene, ausführliche Artikel zeigt, ist eine eigene Seite sinnvoll.
Vom Cluster zur Seitenstruktur
Cluster stehen nicht isoliert nebeneinander. Oft ergibt sich eine Hierarchie:
- Übergeordnetes Thema: eine Übersichtsseite (Pillar Page), etwa „Treppenlift“
- Untergeordnete Cluster: spezialisierte Seiten, etwa „Treppenlift Kosten“, „Treppenlift Zuschuss“, „Kurvenlift“, „Plattformlift“
- Unterstützende Inhalte: Ratgeber zu Detailfragen
Diese Struktur wird über die interne Verlinkung abgebildet: Die Übersichtsseite verlinkt auf alle Unterseiten, die Unterseiten zurück auf die Übersicht und untereinander, wo es inhaltlich passt. Das Konzept dahinter beschreibt der Beitrag Pillar Pages.
Häufige Fehler
- Zu feine Cluster: Für jede kleine Variante eine eigene Seite – führt zu dünnen Inhalten und Kannibalisierung.
- Zu grobe Cluster: Begriffe mit unterschiedlicher Absicht auf eine Seite gezwängt – die Seite rankt für keinen richtig.
- Nur semantisch clustern: Ähnlich klingende Begriffe landen zusammen, obwohl Google sie unterschiedlich behandelt.
- Einmal clustern, nie prüfen: Die Suchergebnisse ändern sich. Cluster sollten bei größeren Überarbeitungen geprüft werden.
- Bestehende Seiten ignorieren: Wer vor dem Clustering nicht prüft, welche Seiten bereits ranken, plant neue Seiten für Begriffe, die längst abgedeckt sind.
Praxis-Tipp: Nehmen Sie in die Cluster-Tabelle eine Spalte „aktuell rankende URL“ auf. So sehen Sie sofort, ob für ein Cluster bereits eine Seite existiert, ob mehrere Seiten konkurrieren oder ob eine neue Seite nötig ist.
Kurz beantwortet
Wie viele Keywords gehören in ein Cluster?
Das reicht von einem einzigen Begriff bis zu mehreren Hundert. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern dass alle Begriffe dieselbe Absicht haben.
Muss jeder Begriff eines Clusters im Text vorkommen?
Nein. Google versteht Varianten und Synonyme. Der Hauptbegriff und die wichtigsten Varianten sollten natürlich im Text auftauchen, der Rest ergibt sich aus der vollständigen Behandlung des Themas.
Wie oft sollte ich meine Cluster überprüfen?
Bei der jährlichen Aktualisierung der Keyword-Recherche und immer dann, wenn eine Seite unerwartet an Rankings verliert oder mehrere Seiten um dieselben Begriffe konkurrieren.