
Warum Stadtseiten nötig sind
Wer „Dachdecker Limburg" sucht, bekommt im Kartenblock vor allem Betriebe aus Limburg. Ein Betrieb aus einem Nachbarort hat dort nur geringe Chancen, weil die Entfernung zum Firmensitz im lokalen Ranking eine große Rolle spielt. In den organischen Ergebnissen darunter sieht es anders aus. Dort zählen Relevanz und Qualität der Seite. Eine gute Seite zum Thema Dachdecker in Limburg kann dort ranken, auch wenn der Betrieb seinen Sitz zehn Kilometer entfernt hat.
Stadtseiten zielen also vor allem auf die organischen Ergebnisse. Sie ergänzen das Google-Profil, das für den eigenen Standort und die direkte Umgebung zuständig ist.
Das Problem: Doorway Pages
Google führt in seinen Spamrichtlinien sogenannte Doorway Pages auf. Das sind Seiten, die für bestimmte ähnliche Suchanfragen erstellt werden und Nutzer auf eine Zwischenseite führen, die ihnen wenig bietet. Ausdrücklich genannt werden als Beispiel mehrere Seiten, die auf bestimmte Regionen oder Städte ausgerichtet sind und Nutzer auf eine einzige Seite leiten, sowie Seiten, die im Wesentlichen gleich sind, aber für unterschiedliche Orte optimiert werden.
Das typische Muster: Ein Text wird einmal geschrieben und dann fünfzig Mal kopiert, jeweils mit einem anderen Ortsnamen. „Ihr Dachdecker in Limburg", „Ihr Dachdecker in Diez", „Ihr Dachdecker in Hadamar". Solche Seiten ranken selten gut und können die gesamte Website schwächen.
Der entscheidende Unterschied: Eine Stadtseite ist dann keine Doorway Page, wenn sie für Menschen aus diesem Ort echte, spezifische Informationen bietet, die es auf den anderen Seiten nicht gibt. Der Ortsname allein ist kein Inhalt.
Die Voraussetzung: echte Tätigkeit im Ort
Stadtseiten sind nur sinnvoll für Orte, in denen ein Unternehmen tatsächlich regelmäßig arbeitet. Das klingt selbstverständlich, wird aber oft ignoriert. Ein Betrieb, der eine Seite für eine Stadt hat, in der er nie einen Auftrag hatte, kann dort kaum echte Inhalte bieten.
Hilfreiche Fragen vor dem Anlegen:
- Haben wir in diesem Ort schon Aufträge ausgeführt?
- Kennen wir Besonderheiten dieses Ortes, die für unsere Leistung relevant sind?
- Gibt es Suchanfragen mit diesem Ortsnamen und unserer Leistung?
- Können wir dort in angemessener Zeit vor Ort sein?
Was eine gute Stadtseite enthält
Bezug zu echten Projekten
Referenzen, Fallbeispiele, Fotos von Arbeiten in diesem Ort. Nichts überzeugt Suchende und Suchmaschinen mehr als der Nachweis, dass hier tatsächlich gearbeitet wurde. Wo Kunden nicht genannt werden wollen, genügt eine anonymisierte Beschreibung mit Stadtteil.
Lokale Besonderheiten, die zur Leistung passen
Für einen Dachdecker: typische Dachformen und Baujahre im Ort, Vorgaben der Gestaltungssatzung in der Altstadt, Denkmalschutz. Für eine Umzugsfirma: Halteverbotszonen und wie man sie bei der Stadt beantragt. Für einen Steuerberater: die zuständigen Finanzämter und Besonderheiten der Gewerbesteuer im Ort. Solche Informationen sind echter Mehrwert und können nicht einfach kopiert werden.
Praktische Angaben
Anfahrtszeit vom Firmensitz, typische Reaktionszeit, Anfahrtskosten, Ansprechpartner für diesen Ort.
Stimmen aus dem Ort
Bewertungen oder Zitate von Kunden aus diesem Ort, mit ihrer Zustimmung.
Lokale Fragen
Fragen, die Kunden aus diesem Ort tatsächlich gestellt haben.
Ein Vergleich
| Merkmal | Schwache Stadtseite | Starke Stadtseite |
|---|---|---|
| Text | kopiert, Ortsname ausgetauscht | eigens geschrieben |
| Referenzen | keine | Projekte aus dem Ort mit Fotos |
| Lokale Details | keine | Vorschriften, Besonderheiten, typische Gebäude |
| Praktische Angaben | allgemeine Kontaktdaten | Anfahrtszeit, Ansprechpartner, Kosten |
| Bewertungen | allgemeine Auswahl | von Kunden aus dem Ort |
| Verlinkung | nur über eine lange Ortsliste in der Fußzeile | aus Leistungsseiten, Referenzen, Regionsübersicht |
Wie viele Stadtseiten?
Diese Frage entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg. Meine Erfahrung aus vielen Projekten:
- Lieber zehn starke Seiten als hundert schwache. Eine kleine Anzahl gründlicher Seiten für die wichtigsten Orte bringt meist mehr als eine große Zahl dünner Seiten.
- Nach Nachfrage priorisieren: Orte mit Suchvolumen und Aufträgen zuerst.
- Schrittweise erweitern: Wenn die ersten Seiten funktionieren und genug Material für weitere Orte vorliegt, folgt der nächste Schritt.
- Kleine Orte bündeln: Für viele kleine Gemeinden kann eine Seite für eine Region oder einen Landkreis sinnvoller sein als eine Seite pro Ort.
Struktur und Verlinkung
Aufbau der Adressen
Bewährt haben sich Strukturen wie /dachdecker/limburg oder /einsatzgebiet/limburg. Bei mehreren Leistungen kann eine Kombination aus Leistung und Ort sinnvoll sein, aber nur, wenn es für jede Kombination genug eigene Inhalte gibt.
Übersichtsseite
Eine Seite „Einsatzgebiet" mit einer Karte und allen Orten, gruppiert nach Regionen. Sie ist das Bindeglied zwischen Startseite und Stadtseiten.
Verlinkung aus dem Inhalt
- Referenzprojekte verlinken auf die Seite ihres Ortes.
- Leistungsseiten verweisen auf die wichtigsten Orte.
- Stadtseiten verweisen auf benachbarte Orte, wenn es für Leser sinnvoll ist.
Eine endlose Liste mit fünfzig Ortsnamen in der Fußzeile jeder Seite ist dagegen wenig hilfreich und wirkt schnell wie Spam.
Komplexe Projekte: Leistungen mal Orte
Bei Portalen, Franchisesystemen oder großen Dienstleistern entstehen schnell Tausende Kombinationen, etwa zwanzig Leistungen in zweihundert Städten. Hier sind besondere Regeln nötig:
- Nicht jede Kombination als Seite. Nur Kombinationen mit echter Nachfrage und echten Inhalten werden indexierbare Seiten.
- Daten statt Textbausteine. Jede Seite speist sich aus echten Daten: Anbieter vor Ort, Preise in der Region, Bewertungen, Anzahl der Aufträge, Verfügbarkeit.
- Qualitätsschwelle festlegen. Eine Seite wird erst indexierbar, wenn sie eine Mindestmenge echter Informationen hat, etwa mindestens drei Anbieter oder mindestens fünf Bewertungen. Darunter erhält sie ein Noindex oder wird gar nicht erzeugt.
- Hierarchie aufbauen. Bundesland, Region, Stadt, Stadtteil, jeweils mit eigener Übersicht und sauberer interner Verlinkung.
- Regelmäßig prüfen. Welche Seiten erhalten Impressionen und Klicks, welche nicht? Seiten ohne Wirkung nach einem Jahr werden überarbeitet, zusammengelegt oder entfernt.
Für ein Portal, das Handwerksbetriebe vermittelt, bestand die erste Version aus rund 40.000 automatisch erzeugten Seiten für jede Kombination aus Gewerk und Ort. Nur ein Bruchteil davon wurde überhaupt indexiert. Im Relaunch habe ich die Zahl auf etwa 3.500 Seiten reduziert, die jeweils echte Betriebe, Bewertungen und regionale Preisangaben enthielten. Die übrigen Kombinationen blieben über die Suche erreichbar, aber nicht indexierbar. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Klicks aus der Suche auf mehr als das Dreifache.
Messen und nachsteuern
- In der Search Console die Stadtseiten als eigene Gruppe auswerten, etwa über einen Filter auf den Verzeichnispfad
- Prüfen, welche Seiten indexiert sind und welche als „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert" erscheinen. Viele nicht indexierte Stadtseiten sind ein Warnsignal für zu ähnliche Inhalte.
- Rankings für Leistung plus Ortsname beobachten
- Anfragen nach Ort auswerten
Häufige Fragen
Kann ich KI nutzen, um Stadtseiten zu schreiben?
KI kann helfen, Struktur und Entwürfe zu erstellen. Die einzigartigen Inhalte, also Projekte, Details und Erfahrungen aus dem Ort, müssen aber aus dem Unternehmen kommen. Eine KI, die ohne dieses Material hundert Stadtseiten schreibt, erzeugt genau das austauschbare Muster, das Google als Doorway Pages einstuft.
Helfen Stadtseiten auch für das Local Pack?
Nur mittelbar. Das Local Pack hängt stark vom Standort des Firmensitzes ab. Stadtseiten stärken aber die Relevanz der Website für diese Orte und können die organische Sichtbarkeit deutlich erhöhen.
Was tun mit bestehenden, kopierten Stadtseiten?
Zuerst prüfen, welche davon Besucher und Anfragen bringen. Diese werden mit echten Inhalten ausgebaut. Seiten ohne Wirkung und ohne Aussicht auf echte Inhalte werden zusammengelegt oder entfernt, idealerweise mit Weiterleitung auf eine Regionsseite.