
URL-Einstellungen
Unter Stores, Konfiguration, Katalog und dem Bereich Suchmaschinenoptimierung finden sich die wichtigsten Einstellungen:
- Suffix für Produkt- und Kategorie-URLs: Standardmäßig oft
.html. Das ist unproblematisch, sollte aber einheitlich bleiben. Eine nachträgliche Änderung erfordert Weiterleitungen. - Kategoriepfad in Produkt-URLs verwenden: Wenn aktiviert, entstehen Produkt-URLs wie
/garten/rasenmaeher/rotak-36.html. Ein Produkt in mehreren Kategorien hat dann mehrere URLs. Ich empfehle, diese Option zu deaktivieren, sodass Produkte eine einzige kurze URL haben. - Canonical für Kategorien und Produkte: Diese Optionen sollten aktiviert sein.
- Permanente Weiterleitung bei URL-Änderung: aktivieren, damit beim Ändern eines URL-Schlüssels automatisch eine 301-Weiterleitung entsteht.
Layered Navigation
Die Filter von Magento, Layered Navigation genannt, erzeugen Parameter wie ?color=49&size=167. Bei großen Katalogen führt das schnell zu Millionen von URLs.
Wirksame Maßnahmen:
- Filterseiten ohne eigene Nachfrage auf Noindex setzen oder per robots.txt vom Crawling ausschließen
- Wertvolle Filterkombinationen als eigene Kategorien oder mit einer Erweiterung für SEO-freundliche Filter-URLs anlegen
- Die Zahl der Filter, die kombinierbar sind, begrenzen
- Sortier- und Anzeigeparameter wie
?product_list_order=und?product_list_limit=vom Crawling ausschließen
Die Grundsätze erklärt der Beitrag zur facettierten Navigation.
Store Views und internationale Shops
Magento bildet Sprachen und Länder über Websites, Stores und Store Views ab. Für SEO heißt das:
- jede Store View mit eigener Domain oder eigenem Verzeichnis
- hreflang-Angaben, die Magento nicht in allen Versionen im Standard ausgibt, über Erweiterungen oder Anpassungen ergänzen
- URL-Schlüssel, Metadaten und Inhalte je Store View übersetzen
- keine Store-Codes in URLs wie
/?___store=de, die doppelte Adressen erzeugen
Mehr im Beitrag zu hreflang.
Performance
Magento ist ressourcenhungrig. Die wichtigsten Hebel:
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Full Page Cache mit Varnish | schnelle Auslieferung von Kategorie- und Produktseiten |
| Produktionsmodus | minimierte und zusammengefasste Dateien |
| leistungsfähiges Hosting | ausreichend Rechenleistung und Arbeitsspeicher, Elasticsearch oder OpenSearch |
| Bildoptimierung | moderne Formate, passende Größen |
| Erweiterungen prüfen | jede Erweiterung auf Performance und Konflikte testen |
| JavaScript reduzieren | das Standard-Frontend Luma ist schwer, leichtere Frontends wie Hyvä verbessern die Ladezeit oft deutlich |
Die Umstellung auf ein leichteres Frontend war in vielen Magento-Projekten, die ich betreut habe, der größte einzelne Hebel für bessere Core Web Vitals.
Strukturierte Daten
Das Standard-Theme von Magento gibt nur eingeschränktes Markup aus. Für vollständiges Produkt-Markup mit Marke, GTIN, Bewertungen, Versand und Rückgabe sind meist Anpassungen oder Erweiterungen nötig. Mehr im Beitrag zum Produkt-Schema.
Typische Probleme großer Kataloge
- Doppelte Produkt-URLs durch Kategoriepfade, wenn die entsprechende Option aktiviert ist.
- Indexierte Suchseiten unter
/catalogsearch/result/. - Parameter aus Vergleichslisten und Wunschlisten, die crawlbar sind.
- Leere Kategorien aus automatischen Importen.
- Wachsende URL-Rewrite-Tabelle: Bei vielen Änderungen können Hunderttausende Einträge entstehen, die das System verlangsamen.
- Nicht übersetzte URL-Schlüssel in internationalen Store Views.
Checkliste
- Kategoriepfad in Produkt-URLs deaktiviert
- Canonicals für Produkte und Kategorien aktiviert
- Automatische Weiterleitungen bei URL-Änderungen aktiviert
- Suchergebnisse, Vergleich, Wunschliste, Warenkorb und Konto vom Crawling ausgeschlossen
- Layered Navigation gesteuert
- hreflang für alle Store Views
- Full Page Cache und Produktionsmodus aktiv
- Strukturierte Daten vollständig
- XML-Sitemap nur mit indexierbaren URLs
Hyvä und andere Frontends
Das Standard-Frontend Luma von Magento beruht auf älteren JavaScript-Bibliotheken und lädt viele Dateien. Das alternative Frontend Hyvä setzt auf einen deutlich schlankeren Ansatz und hat sich in den letzten Jahren stark verbreitet. Die Umstellung ist ein größeres Projekt, weil Themes und Erweiterungen angepasst werden müssen, bringt aber oft erhebliche Verbesserungen bei Ladezeit und Core Web Vitals. Daneben gibt es Headless-Ansätze, bei denen Magento nur als Backend dient und ein eigenes Frontend die Seiten ausliefert.
Kategorien und Attribute
Bei großen Katalogen sind die Kategorien die wichtigsten Rankingseiten. Magento bietet für jede Kategorie Felder für Titel, Beschreibung, Meta-Angaben und Inhalte. Häufige Verbesserungen:
- individuelle Titel und Beschreibungen für die wichtigsten Kategorien statt automatischer Vorgaben
- Kategorietexte, die bei der Auswahl helfen, statt Füllstoff
- Attribute, die im Frontend als Filter dienen, bewusst für die Indexierung steuern
- Anker-Kategorien und Einstellungen zur Anzeige gezielt wählen, damit keine unnötigen Kombinationen entstehen
Mehr im Beitrag zu Kategorieseiten.
B2B-Funktionen
Adobe Commerce bietet Funktionen für Geschäftskunden wie Kundenpreise, Anfragelisten und Unternehmenskonten. Für SEO ist wichtig, dass Produktinformationen auch ohne Anmeldung sichtbar sind, zumindest die Beschreibung und die technischen Daten. Wenn alle Inhalte hinter einer Anmeldung liegen, kann Google sie nicht indexieren, und der Shop wird für Suchen nach Produkten nicht gefunden.
Fragen aus der Praxis
Magento Open Source oder Adobe Commerce?
Für SEO sind die Grundfunktionen gleich. Adobe Commerce bietet zusätzliche Funktionen, etwa für B2B, Content Staging und Cloud-Hosting. Die Entscheidung hängt eher von Budget und Geschäftsanforderungen ab.
Lohnt sich ein Wechsel weg von Magento?
Das hängt von der Komplexität des Shops ab. Für sehr große Kataloge mit komplexen Anforderungen bleibt Magento eine starke Wahl. Für kleinere Shops sind Systeme mit weniger Pflegeaufwand oft wirtschaftlicher. Ein Wechsel ist immer ein Relaunch mit entsprechendem Risiko.
Welche SEO-Erweiterungen sind sinnvoll?
Häufig genutzt werden Erweiterungen für hreflang, erweiterte strukturierte Daten, SEO-freundliche Filter-URLs und Sitemaps. Jede Erweiterung sollte vor dem Einsatz auf einer Testumgebung geprüft werden.