
Die Herausforderung
Ein Portal für Handwerker mit 50 Gewerken und 2.000 Orten hat rechnerisch 100.000 Kombinationen. Für jede könnte eine Seite entstehen. Die meisten davon hätten aber kaum Inhalt: wenige oder gar keine Einträge, keine Bewertungen, keine eigenen Informationen. Google indexiert solche Seiten nicht oder wertet sie ab. Im schlimmsten Fall zieht die Masse dünner Seiten die gesamte Website nach unten.
Seit Google 2024 den Missbrauch skalierter Inhalte ausdrücklich in seine Spamrichtlinien aufgenommen hat, ist diese Gefahr noch größer. Seiten, die in großer Zahl vor allem für Rankings erzeugt werden und Nutzern wenig bieten, können als Spam gewertet werden, unabhängig davon, ob Menschen oder Automaten sie erstellt haben.
Die Seitenarchitektur
Ein Portal braucht eine klare Hierarchie:
| Ebene | Beispiel | Aufgabe |
|---|---|---|
| Startseite | Portal für Handwerker | Einstieg, Suche, wichtigste Kategorien und Orte |
| Kategorie | Dachdecker | Überblick, Ratgeber, wichtigste Orte |
| Region | Rheinland-Pfalz, Westerwaldkreis | Verteilung auf Orte |
| Kategorie plus Ort | Dachdecker in Montabaur | Liste der Anbieter mit Informationen |
| Eintrag | Dachdeckerei Muster | Profil des einzelnen Anbieters |
Jede Ebene verlinkt nach unten und oben. So erreichen Crawler und Nutzer jede Seite über wenige Klicks, und die Stärke der Startseite verteilt sich sinnvoll. Mehr im Beitrag zur Seitenarchitektur.
Qualitätsschwellen
Der wichtigste Grundsatz: Nicht jede mögliche Seite wird indexiert. Eine Seite wird erst indexierbar, wenn sie eine Mindestmenge echter Informationen hat, zum Beispiel:
- mindestens drei Anbieter mit vollständigen Profilen
- oder mindestens fünf Bewertungen
- oder eigene redaktionelle Inhalte zum Ort und zur Kategorie
Seiten unter der Schwelle werden entweder nicht erzeugt, mit Noindex versehen oder auf die nächsthöhere Ebene verwiesen, etwa von „Dachdecker in einem kleinen Dorf" auf „Dachdecker im Landkreis". Die Schwellen werden regelmäßig geprüft und angepasst.
Die Frage für jede Seite: Würde ein Nutzer, der über Google auf diese Seite kommt, finden, was er sucht? Wenn die ehrliche Antwort nein ist, gehört die Seite nicht in den Index.
Einzigartige Inhalte aus Daten
Portale können nicht jede Seite von Hand schreiben. Sie können aber Inhalte aus echten Daten erzeugen, die für jede Seite unterschiedlich sind:
- Anzahl der Anbieter, Durchschnittsbewertung, Spanne der Preise
- häufigste Leistungen in diesem Ort
- aktuelle Bewertungen mit Textauszügen
- Verfügbarkeit, Reaktionszeiten, Öffnungszeiten
- lokale Besonderheiten aus eigenen Daten oder offiziellen Quellen
Wichtig ist, dass diese Daten echt und für Nutzer hilfreich sind. Textbausteine, in denen nur Orts- und Kategorienamen ausgetauscht werden, erkennt Google zuverlässig. Mehr im Beitrag zu Unique Content.
Crawlbudget und Technik
Große Portale müssen das Crawling aktiv steuern:
- Filter, Sortierungen und Suchseiten vom Crawling ausschließen oder steuern, siehe facettierte Navigation
- Paginierung sauber umsetzen
- XML-Sitemaps nach Seitentyp aufteilen und nur indexierbare Seiten aufnehmen
- Serverleistung sicherstellen, damit Google viele Seiten schnell abrufen kann
- Logfiles auswerten, um zu sehen, welche Bereiche Google tatsächlich besucht
Mehr im Beitrag zum Crawlbudget.
Interne Verlinkung
Bei Zehntausenden Seiten entscheidet die interne Verlinkung darüber, welche Seiten gefunden werden und Stärke erhalten:
- von Kategorien auf die wichtigsten Orte
- von Orten auf benachbarte Orte und auf die Region
- von Einträgen auf die Kategorie-Ort-Seite
- aus Ratgebern auf passende Kategorien und Orte
Seiten, die nur über die Suche erreichbar sind, bleiben für Google oft unsichtbar. Siehe interne Verlinkung.
Nutzergenerierte Inhalte
Bewertungen, Fragen, Antworten und Profile der Anbieter sind für Portale wertvoll, weil sie einzigartige Inhalte liefern. Sie bringen aber Risiken:
- Spam in Profilen und Bewertungen
- gefälschte Bewertungen
- dünne Profile ohne Informationen
Moderation, Spamschutz, Kennzeichnung von Links mit ugc und Mindestanforderungen an Profile sind deshalb Pflicht.
Aus der Praxis
Ein regionales Branchenportal hatte über die Jahre rund 180.000 Seiten angesammelt, darunter für jede Kombination aus Branche und Ort. Die Sichtbarkeit war nach mehreren Core Updates stark gesunken. Ich habe die Kombinationen nach der Zahl der echten Einträge bewertet, alle Seiten unter der Qualitätsschwelle auf die Landkreisebene umgeleitet, die verbleibenden Seiten mit Daten aus Bewertungen und Öffnungszeiten angereichert und Filter vom Crawling ausgeschlossen. Übrig blieben etwa 22.000 indexierbare Seiten. Über die folgenden zwölf Monate stieg die Sichtbarkeit wieder deutlich an, und die Zahl der Anfragen an die gelisteten Unternehmen nahm zu.
Typische Fehler
- Alle Kombinationen indexieren, auch ohne Inhalt
- Textbausteine mit ausgetauschten Namen
- Keine Moderation von Profilen und Bewertungen
- Filter und Suchseiten ungesteuert im Index
- Seiten nur über die interne Suche erreichbar
- Masse mit KI-Texten statt Daten
Kurz beantwortet
Wie viele Seiten sollte ein Portal haben?
So viele, wie es Seiten mit echtem Wert für Nutzer gibt. Die Zahl ergibt sich aus den Daten, nicht aus der rechnerischen Zahl möglicher Kombinationen.
Ist programmatisches SEO noch erlaubt?
Automatisch erzeugte Seiten auf Basis echter, nützlicher Daten sind zulässig und weit verbreitet. Problematisch sind Seiten, die vor allem für Rankings erzeugt werden und Nutzern wenig bieten.
Wie lange dauert die Sanierung eines Portals?
Technische Bereinigungen wirken oft innerhalb weniger Monate. Nach Abwertungen durch Core Updates erfolgt die Erholung meist erst mit späteren Updates, wenn sich die Qualität insgesamt deutlich verbessert hat. Mehr zu den Mechanismen im Beitrag zu Stadtseiten.